Zentralverband des
Deutschen Handwerks
14.04.2021

„Es braucht ein Comeback der beruflichen Ausbildung“

ZDH-Präsident Wollseifer beschäftigt sich in seiner Kolumne Berlin Intern im „Deutschen Handwerksblatt“ mit der Notwendigkeit eines Comebacks der beruflichen Ausbildung.
Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer vor blauer Handwerksleinwand

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer beschäftigt sich in seiner Kolumne Berlin Intern im Deutschen Handwerksblatt mit dem für unsere gesamte Wirtschaft und für die Fachkräftesicherung notwendigen „Comeback“ der beruflichen Ausbildung.

„Der Frühling ist für junge Menschen üblicherweise die Zeit der Berufsorientierung, des Kennenlernens zwischen vielen Jugendlichen und Handwerksbetrieben über Praktika oder Tage der offenen Tür und der Entscheidung über die weiteren Bildungs- und Berufswege. Für diese wichtige Zeit der Anbahnung von Ausbildungsverträgen ist die Corona-Pandemie nun bereits zum zweiten Mal ein Bremsklotz – mit massiven Auswirkungen für den Ausbildungsmarkt: Schon im vergangenen Jahr konnten im Handwerk wie auch in der Gesamtwirtschaft pandemiebedingt deutlich weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen werden als in den Vorjahren, wobei das Minus im Handwerk von 7,5 Prozent wegen des beachtlichen Einsatzes der gesamten Handwerksorganisationen und Betriebe sogar noch moderater ausfiel als in der Gesamtwirtschaft mit einem Minus von 11 Prozent.

„Sommer der Berufsbildung“

Damit sich diese Entwicklung nicht fortsetzt und aus der Corona-Krise eine Ausbildungs- und als Folge davon eine Fachkräftekrise wird, haben wir im ZDH der Politik vorgeschlagen, dass alle Berufsbildungsakteure einen „Sommer der Berufsbildung“ auf den Weg bringen: Alle müssen ihr Engagement intensivieren und sichtbare und handfeste Aktionen starten, um Jugendlichen ihre Unsicherheit zu nehmen und sie für eine duale Berufsausbildung gerade auch im Handwerk zu sensibilisieren und zu gewinnen – etwa über betriebliche Praktika oder Sommercamps, in denen Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereitet werden können. Mit dieser gemeinsamen Initiative wollen wir Öffentlichkeit schaffen und dazu beitragen, dass der beruflichen Bildung mehr Wertschätzung entgegengebracht wird.

Voller Anerkennung bin ich für das beeindruckende Engagement und die Flexibilität, mit der sich unsere Betriebe den aktuellen Herausforderungen stellen, um ihren Azubis weiter die Ausbildungsinhalte zu vermitteln und sie zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Aus meinen Gesprächen mit den Betrieben weiß ich aber auch: Sie brauchen Unterstützung und eine flankierende Begleitung, wenn es darum geht, noch mehr junge Menschen anzusprechen und sie für eine Ausbildung im Handwerk und in ihren Betrieben zu gewinnen. Der „Sommer der Berufsbildung“ soll da ein Auftakt sein. Denn Nachwuchsgewinnung ist für unsere Betriebe keine Frage von Jahreszeiten, sondern ein Thema, das ihnen dauerhaft auf den Nägeln brennt, um den betrieblichen Erfolg langfristig abzusichern.

Wir brauchen daher eine Gesamtanstrengung aller Berufsbildungsakteure, um den Ausbildungsmarkt nachhaltig zu stabilisieren. Wir müssen Jugendlichen den Wert und die Chancen aufzeigen, die mit einer beruflichen Ausbildung verbunden sind: im Sinne der jungen Menschen, aber auch des Fortbestehens unserer Betriebe und der Wirtschaft insgesamt. Denn das ist entscheidend für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unsers Landes nach Corona: Wir alle sind auf diesen qualifizierten Fachkräftenachwuchs für die Umsetzung aller Zukunftsvorhaben angewiesen. 

Fokus auf digitalen Formaten

Dafür müssen in allen Schulformen digitale Formate zur Berufsorientierung dringend ausgebaut werden – unter Einbindung regionaler Partner, also etwa auch der Ausbildungsberater der Handwerksorganisationen. Diese legen schon vor und verstärken derzeit massiv eigene Aktivitäten, Jugendliche etwa in WhatsApp-Sprechstunden zu beraten oder beim „Azubi-Online-Dating“ mit Betrieben zusammenzubringen. Doch gerade auf Schulebene müssen wir da den Turbogang einlegen.

Unsere Betriebe lade ich parallel dazu ein, sich am „Sommer der Berufsbildung“ mit eigenen Aktionen zu beteiligen und ihr hohes Ausbildungsengagement transparent zu machen. Wenn wir jungen Menschen aktiv zeigen, dass „wir wissen, was wir tun“ und auch „wissen, was zu tun ist“, können wir als Handwerkinnen und Handwerker zu Vorbildern für junge Menschen werden, die ihnen Perspektiven aufzeigen. Wir müssen alles daran setzen, damit der „Sommer der Berufsbildung“ zu einem „Comeback-Jahr“ für die berufliche Ausbildung auch im Handwerk wird.“

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