Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
27.10.2021

Künftige Regierung muss Betriebe stärken, statt zusätzlich belasten

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer äußert sich zur Herbstprognose der Bundesregierung zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung.
Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer auf der Dachterrasse im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

"Mit Blick auf die wirtschaftlich weiter fragile Lage erwartet das Handwerk von der künftigen Regierung, die Leistungsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe nicht weiter zu überfordern, sondern im Gegenteil durch Entlastungen zu stärken. Unsere Betriebe müssen sich aktuell in einem Umfeld mit zahlreichen Sondereffekten behaupten – bei den Lieferengpässen und der Preisexplosion bei einer Reihe von Materialien, bei den Energiekosten, beim offenen Fachkräftebedarf und bei der sich abzeichnenden erneut angespannteren Corona-Lage. Angesichts dieser schwierigen Situation sind unsere Betriebe maximal gefordert, um wirtschaftlich erfolgreich durch diese unruhigen Zeiten zu kommen. Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie unsere Handwerkerinnen und Handwerker nicht erdrückt.

Die künftige Koalition muss einen Weg finden, der Klimaschutz und wirtschaftlichen Erfolg gleichermaßen ermöglicht. Die Kostenbelastungen durch Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende dürfen nicht aus dem Ruder laufen. Denn nur mit einer starken Wirtschaft und starken Handwerksbetrieben werden wir in der Lage sein, die Klimaschutzherausforderung zu finanzieren und zu bewältigen.  

Erheblich vergrößern muss die künftige Regierung ihre Anstrengungen, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu stärken und berufliche Bildung auch finanziell gleichwertig zur akademischen Bildung zu fördern. Denn der zentrale Schlüssel zur Fachkräftesicherung ist die berufliche Ausbildung. Wir brauchen faire, vergleichbare Ausgangsbedingungen auch in der Bildung – keine erste und zweite Klasse, sondern einzig Weltklasse. Diese Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung muss gesetzlich festgeschrieben und im politischen Alltag gelebt werden. Das gebietet allein schon die Tatsache, dass sich nur mit genügend fachlich qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern der Wohlstand und die Wirtschaftskraft unseres Landes auch in der Zukunft sichern lassen.

Zu einer Modernisierung gehört unabdingbar, unsere Infrastrukturen und Verwaltungen endlich konsequent auf die Erfordernisse der Digitalisierung hin anzupassen und auf den neuesten Stand zu bringen. Längst überfällig sind zudem Entlastungsimpulse im Steuerrecht, wo beispielsweise durch verbesserte Abschreibungsbedingungen sofort Impulse für zusätzliche Investitionen gesetzt werden könnten. Unbedingt angeraten ist eine mittelstandsfreundliche Verbesserung der Thesaurierungsrücklage, um die Innenfinanzierung und damit die Investitionskraft auch des deutschen Handwerks zu stärken. Eine künftige Regierung muss alles daran setzen, den Gesamtsozialversicherungsbeitrag bei 40 Prozent des Bruttolohns dauerhaft auch über das Jahr 2021 hinaus zu stabilisieren, damit Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gerade im lohnintensiven Handwerk nicht noch weiter belastet werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nicht abnimmt."

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