Zentralverband des
Deutschen Handwerks
17.05.2021

„Viele Betriebe brauchen weiter Überbrückungshilfen“

„Betroffenen Handwerksbetrieben muss so lange geholfen werden, wie sie durch die Corona-Beeinträchtigungen in Liquiditätsschwierigkeiten stecken“, so ZDH-Generalsekretär Schwannecke gegenüber der „dpa“.
Bäckereifachverkäuferin bedient eine elektronische Kasse

 „Betroffenen Handwerksbetrieben muss so lange geholfen werden, wie sie durch die Corona-Beeinträchtigungen in Liquiditätsschwierigkeiten stecken“, so ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke gegenüber Theresa Münch von der dpa.

„Mit den Impffortschritten und sinkenden Inzidenzwerten ist bei unseren Handwerksbetrieben zunehmend die Zuversicht spürbar, dass die Geschäftstätigkeit in der zweiten Jahreshälfte deutlich an Fahrt aufnehmen wird. Die Corona-Einschränkungen für viele unserer Handwerksbetriebe in den vergangenen Monaten wirken allerdings nach: Die daraus resultierenden Umsatzverluste werden in vielen Gewerken auch dann kaum auszugleichen sein, wenn die betroffenen Betriebe im weiteren Jahresverlauf wieder voll umfänglich tätig werden könnten. Für das Gesamthandwerk rechnen wir daher mit einem Umsatzwachstum von einem Prozent im laufenden Jahr.

Doch selbst dieses im Vergleich zu Vor-Pandemiejahren eher bescheidene Wachstum im Gesamthandwerk lässt sich nur erreichen, wenn das Impfen nochmals beschleunigt wird und die für wirklich nachhaltige und länger anhaltende Öffnungsschritte notwendige Herdenimmunität eintritt.

Preisexplosion und Lieferengpässe belasten

Eine zusätzliche Belastung für die Konjunktur sind die Preisexplosion bei gleichzeitigen massiven Lieferengpässen bei vielen Baumaterialien. Sollte sich die Situation hier nicht schnell entspannen, wird sich auch die Konjunktur in den Bau- und Ausbaugewerken eintrüben wie auch bei den industriellen Zulieferern, die sich gerade erst wieder langsam erholen. Bisher haben vor allem die Bau- und Ausbauhandwerke das Handwerk durch die Pandemie getragen und als Stabilisator für die Konjunktur gewirkt. Die Politik ist deshalb aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen, damit die Verwerfungen auf dem Baumaterialienmarkt nicht zum Konjunkturkiller werden.
 
Nach wie vor zeigt das Gesamthandwerk eine gespaltene Konjunkturentwicklung: Während Bau und Ausbau recht gut durch die Pandemie gekommen sind, gibt es nach wie vor viele Bereiche im Handwerk, die weiter von massiven Einschränkungen und auch geschäftsmindernden Hygiene- und Abstandsvorgaben betroffen sind beispielsweise Dienstleister und Zulieferer der Hotellerie und Gastronomie, also etwa Wäschereien, Gebäudereiniger, aber auch Bäcker, Konditoren, Metzger und Bierbrauer. Dazu kommen Messebauer oder die Veranstaltungstechnik oder Friseure und Kosmetiker. All diesen Betrieben muss so lange geholfen werden, wie sie durch die Corona-Beeinträchtigungen in Liquiditätsschwierigkeiten stecken. Die bestehenden Hilfsprogramme müssen deshalb verlängert und besser an die Bedürfnisse unserer Handwerksbetriebe angepasst werden, damit diese die akute Pandemiephase überstehen und in der Nach-Pandemiephase zur Wiederbelebung von Wirtschaft und Wachstum beitragen können.

Hilfen zielgenau gestalten

Da eine Vielzahl von Handwerksbetrieben weitere Überbrückungsunterstützung braucht, ist es gut, dass für die bis Ende Juni gültigen Hilfen eine Verlängerung angedacht wird. Wichtig ist, dass weitere Hilfen zielgenau ausgestaltet werden. Ein überlegenswerter Weg könnte auch der Leasingbereich sein, der zusammen etwa mit den Bürgschaftsbanken zielgenau eröffnet werden könnte. Richtig sind auch die Härtefallhilfen, mit denen Unternehmen unterstützt werden, die aufgrund besonderer Fallkonstellationen bislang durch das Raster der Corona-Hilfsprogramme gefallen sind.
 
Damit der wirtschaftliche Neustart nach der Pandemie gelingt, erwarten wir von der Politik, dass sie für wettbewerbsfähige Bedingungen unserer binnenwirtschaftlich orientierten und personalintensiven Betriebe sorgt und alles unterlässt, was unsere Betriebe zusätzlich belastet. Die Bundesregierung hat es in der Hand, ob sie die Handwerksbetriebe schwächt oder stärkt. Notwendig wären ein Belastungsmoratorium und weitergehend eine Steuer- und Bürokratieentlastungspolitik, die die Wiederbelebung der Wirtschaft positiv flankieren.

Wenn die Wirtschaft sich wieder erholen soll, dann darf nicht länger ignoriert werden, dass hohe Sozialabgaben gerade für unsere personalintensiven Handwerksbetriebe eine schwere Belastungsprobe sind. Deshalb muss die „Sozialgarantie“ dauerhaft Bestand haben.“

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