Zentralverband des
Deutschen Handwerks
04.01.2021

Jeder ausbildungswillige und -fähige Jugendliche kann noch einen

Über die Ausbildungslage im Handwerk hat ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer mit der "dpa" gesprochen.
Ein etwas älterer Herr erklärt zwei jungen Männern die Vorgänge an einer großen Maschine. Alle tragen Ohrenschützer.

Über die Ausbildungslage im Handwerk hat ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer mit Andreas Hoenig von der dpa gesprochen:

Unsere Betriebe haben sich von den Pandemie-Schwierigkeiten, Einschränkungen und Umsatzeinbrüchen nicht entmutigen lassen. Es sind immer noch 14 000 Ausbildungsstellen im Handwerk frei - vielleicht nicht direkt vor der Haustür, vielleicht im Wunschberuf nicht vor Ort. Aber jeder Jugendliche kann noch einen Ausbildungsplatz in dem Beruf bekommen, den er sich vorstellt, wenn er ausbildungswillig und ausbildungsfähig ist.

Jugendliche sind verunsichert

Wir haben nach großen Problemen im Frühjahr aufgeholt. Im Mai lag das Minus bei der Zahl der Ausbildungsverträge noch bei 18 Prozent. Ende November bei minus 7,1 Prozent. Wir liegen bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen noch rund 10.000 unter dem letzten Jahr. Wir sehen das wirklich mit Sorge. Denn die Jugendlichen, die heute nicht ausgebildet werden, die fehlen uns in drei Jahren als Fachkräfte. Das wird, wenn wir nicht gegensteuern, dann den Fachkräftemangel gerade bei uns im Handwerk weiter verstärken. Mit Sorge schauen wir auch auf das nächste Jahr, weil wir mitbekommen, dass viele Jugendliche sehr verunsichert sind und denken: Ja, wenn es der Wirtschaft nicht so gut geht, hab ich dann dort überhaupt auf Dauer eine Chance? Doch voller Überzeugung kann ich sagen: Das Handwerk ist krisensicher. Selbst in der jetzigen Situation erweist sich das Handwerk als stabiler als andere Wirtschaftsbereiche, bei denen die Umsatzeinbrüche noch deutlicher sind. Außerdem werden Handwerkerinnen und Handwerker für alle Zukunftsaufgaben gebraucht, nur mit ihnen sind die zu wuppen, egal ob das jetzt im Energiebereich ist, im Klimaschutz oder bei der Gebäudesteuerung. Neue Berufsabschlussbezeichnungen machen darüber hinaus klar, dass handwerkliche Qualifikationen anspruchsvoll sind und auf einem Level mit akademischen Graden liegen. Das stärkt das Image des Handwerks.

Azubis behandeln wie Studenten

Eine Ausbildung ist teuer. Wir wollen eine Förderung der Betriebe und der Azubis. Warum werden bei den Sozialversicherungsabgaben Auszubildende nicht so behandelt wie Studenten? Azubis sollten bei der Krankenversicherung bis zum 25. Lebensjahr über das Ticket der Eltern mitversichert werden. Das brächte Betrieben, aber vor allem auch Auszubildenden eine wesentliche Entlastung. Und wenn Gewerkschaften dagegen sind, leuchtet mir das überhaupt nicht ein, denn dadurch hätten Betriebe und Azubis mehr Geld in der Tasche.

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