Zentralverband des
Deutschen Handwerks
14.06.2021

„Das Handwerk ist der nachhaltigste Wirtschaftsbereich“

ZDH-Präsident Wollseifer spricht im Interview mit der „Funke Mediengruppe“ über Klimaschutz, CO2-Bepreisung und die Solaranlagenpflicht für Neubauten.
Klimaschutz: Kraftwerk im Sonnenuntergang, im Vordergrund eine Wiese.

„Das Handwerk – wage ich zu behaupten – ist der nachhaltigste Wirtschaftsbereich: Wir sind es, die reparieren, die sanieren, die Kulturgüter in Stand halten, die energieeffiziente Techniken einbauen,“ so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer im Interview mit Jochen Gaugele und Tobias Kisling von der „Funke Mediengruppe“.

Ist das Handwerk der große Gewinner des Klimawandels?

Das Handwerk ist unverzichtbarer Umsetzer und damit auch der Gestalter der Energiewende und des Klimaschutzes. Heute arbeiten bereits etwa 450.000 Handwerksbetriebe mit fast 2,5 Millionen Mitarbeitern in knapp 30 Gewerken täglich in fast allen Bereichen am Erfolg der Energiewende mit und setzen Umwelt- und Klimaschutz um, sei es im Ausbaubereich, an der Gebäudehülle, in der Anlagen- und Gebäudetechnik oder beim Netzausbau. Das Handwerk – wage ich zu behaupten – ist der nachhaltigste Wirtschaftsbereich: Wir sind es, die reparieren, die sanieren, die Kulturgüter in Stand halten, die energieeffiziente Techniken einbauen.

Der Energieverbrauch wird verteuert, CO2-Preise werden eingeführt. Welchen CO2-Preis würde das Handwerk verkraften?

Die CO2-Bepreisung belastet viele Handwerksbetriebe. Sie haben höhere Ausgaben, etwa durch steigende Benzin- und Heizkosten, werden an anderer Stelle aber nicht ausreichend entlastet. Das war mit der Bundesregierung anders verabredet. Das muss kompensiert werden, zum Beispiel indem ganz schnell die EEG-Umlage weiter zurückgeführt wird und dann auch zeitnah entfällt. Die EEG-Umlage ist ein unfaires Instrument. Große Handelsketten, die bundesweit viel Energie verbrauchen, sind von ihr befreit. Eine lokale Großbäckerei, die nur punktuell viel Energie verbraucht, muss aber weiter im sechsstelligen Bereich EEG-Umlage zahlen. Das geht so nicht. In dem Umfang, in dem die CO2-Bepreisung steigt, muss auf der anderen Seite ein Ausgleich kommen. Ansonsten können sich der kleine Angestellte, aber auch der Betriebsinhaber die Stromkosten bald nicht mehr leisten.

Die Bundesregierung diskutiert eine Solaranlagenpflicht für Neubauten. Begrüßen Sie das?

Ich halte nichts von derartigen Verpflichtungen, somit auch nichts von einer Solaranlagenpflicht. Wir müssen motivieren, nicht regulieren. Vor allem müssen wir technologieoffen sein. Photovoltaik ist nicht das Nonplusultra. Da gibt es auch andere klimaneutrale Energien, in denen wir aufholen müssen, Windkraft und Biomasse beispielsweise. Das Handwerk beschäftigt sich zudem intensiv mit der konkreten Anwendung von Wasserstoff. Wie kann er für Heizungen genutzt werden, wie treibt er Autos an. Da sind wir die Tüftler, die konkrete Innovationen überhaupt ermöglichen. Innovationen entstehen durch Motivation und Ideen, nicht durch Vorschriften und Zwang.

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