Zentralverband des
Deutschen Handwerks
13.09.2021

"Das Handwerk bietet zukunftssichere Karriereperspektiven"

ZDH-Präsident Wollseifer ist sich sicher: Wer in’s Handwerk geht und sich fortbildet, hat beste Verdienst- und Karriereoptionen. Denn die Arbeit geht sicher nicht aus.
Ausbilder mit Hörschutz steht an einer Werkzeugmaschine mit zwei Auszubildenden.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat mit Thomas Block von der "Bild am Sonntag" für die Sonderbeilage zum Tag des Handwerks über Karriereperspektiven im Handwerk und die vielfältigen zukunftssicheren Berufsmöglichkeiten im Handwerk gesprochen.

Herr Wollseifer, warum sollte sich ein Jugendlicher lieber für einen Lehrbetrieb als für den Hörsaal entscheiden?

Das Handwerk ist unverzichtbar bei allen Zukunftsaufgaben – vor allem auch denen, die jungen Menschen heute am Herzen liegen. Wer Deutschland klimafreundlich gestalten möchte, sollte nicht nur demonstrieren, sondern auch installieren: Häuser energieeffizient sanieren, Ladesäulen und Solardächer installieren. Die Arbeit geht sicher nicht aus. Und wer sich fortbildet, hat im Handwerk beste Verdienst- und Karriereoptionen bis hin zum eigenen Chef.

Wie ist die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt?

Wir haben wieder mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr: Ende Juni waren es 13,1 Prozent mehr, Ende Juli 6,5 Prozent. Doch wir sind noch lange nicht da, wo wir sein müssen. Aktuell sind rund 30.000 Lehrstellen unbesetzt.

Wie sehr bedroht dieser Azubi-Mangel das Handwerk?

Der Azubi-Mangel bedroht generell unsere Zukunftsfähigkeit. Nur mit genügend Fachkräften kann der Infrastrukturausbau, Klimaschutz, die Energie- und Mobilitätswende gelingen, können wir die tägliche Versorgung sicherstellen. Hinzu kommt: In den kommenden fünf Jahren stehen rund 125.000 Betriebsübergaben an. Ohne ausreichend Nachwuchs könnten viele dieser Übergaben scheitern. Hier sind Arbeitsplätze massiv bedroht.

Wie erklären Sie sich, dass so wenige Jugendliche eine Ausbildung anstreben?

Zum einen sinkt die Zahl der Schulabgänger. Zum anderen hat es mit dem jahrzehntelangen Bildungsmantra zu tun, nur mit Abi und Studium lasse sich gesellschaftlicher Aufstieg erreichen. Eine glatte Fehleinschätzung: Ein Studium ist längst keine Jobgarantie mehr. Das Handwerk jedoch bietet sehr jobsichere Karriereperspektiven.

Welche Ausbildungsberufe sind besonders gefragt und welche haben den größten Mangel?

Bedarf besteht in allen Handwerksberufen, besonders hoch ist er im Bau - also Hoch-, Tief- und Straßenbau – und im Ausbau, in den Lebensmittelgewerken wie etwa Metzger oder Bäcker. Und natürlich in den mehr als 30 Gewerken, die heute schon im Klimaschutz arbeiten.

Was tun Sie, um mehr junge Menschen vom Handwerk zu überzeugen?

Seit vielen Jahren werben wir für die vielfältigen Möglichkeiten im Handwerk - vor allem über Social Media und zu Corona-Zeiten digital. Es gibt Ausbildungsberater in den Handwerkskammern, Speed-Datings, Workshops. Aktuell findet der Sommer der Berufsbildung statt.

Was muss die künftige Bundesregierung tun, um die Lage am Auszubildenden-Markt zu stabilisieren?

Ausbildungsbetriebe weiter entlasten! Kurzfristig muss sie das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ verlängern und grundsätzlich berufliche Bildung endlich auf Augenhöhe mit der akademischen Bildung bringen – auch finanziell. Dafür muss Politik Geld in die Hand nehmen. Hochschulen bekommen Milliarden, aber bei der Ausstattung der Berufsschulen und überbetrieblichen Bildungsstätten im Handwerk hapert es. Und bei der Berufsorientierung an den Gymnasien muss endlich auch das Handwerk überall vorkommen.  Berufliche Bildung muss uns allen deutlich mehr wert sein.

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