27.11.2019

Handwerk und Entwicklungszusammenarbeit

Foto: Marc Mudri

Handwerkerinnen und Handwerker, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren möchten, haben ab 2020 die Möglichkeit, sich in speziellen Fortbildungskursen mit dem nötigen Know How beim Lehrgang Internationaler Meister oder der Fortbildung Fachfrau/Fachmann für Internationale Zusammenarbeit auszustatten.

Das Handwerk engagiert sich seit vielen Jahren in den vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierten Programmen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und ist weltweit in verschiedenen Projekten involviert. Dabei übernimmt der ZDH eine zentrale Rolle bei der Informationsvermittlung über die verschiedenen Programme der Entwicklungszusammenarbeit sowie der Netzwerkbildung zwischen Organisationen der EZ und Handwerksorganisationen.


Neue Angebote für Qualifizierungen in der internationalen Zusammenarbeit 2020
Die internationale Projektarbeit in der Entwicklungszusammenarbeit bietet Handwerkern mit internationaler Expertise vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten und interessante Einsatzfelder. Um all diese Projekte durchführen zu können, muss das Handwerk neue Kapazitäten aufbauen. Dafür wurden in der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main der Lehrgang Internationaler Meister und in der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg die Fortbildung Fachfrau/Fachmann für Internationale Zusammenarbeit entwickelt. Die Kursteilnehmer erwerben interkulturelle Kompetenzen sowie Grundlagenkenntnisse zur internationalen Projektarbeit. Sie beschäftigen sich mit verschiedenen Unternehmensformen, Gründungsprozessen und Arbeitsbedingungen im Ausland sowie mit entwicklungspolitischen Fragestellungen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf den Berufsbildungssystemen und Ausbildungsinhalten in den Zielländern.

Die Fortbildungen umfassen jeweils 200 Unterrichtseinheiten und finden berufsbegleitend an Wochenenden über einen Zeitraum von knapp 9 Monaten statt. Zentraler Bestandteil der Kurse ist ein mindestens einwöchiger Ersteinsatz in einem Entwicklungs- oder Schwellenland. So können sich die Teilnehmer/*innen vor Ort persönlich ein Bild von der Arbeit im Ausland verschaffen und aktiv in einem Projekt der Entwicklungszusammenarbeit mitwirken.
Viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen früherer Kurse sind inzwischen in zahlreichen Einsätzen für verschiedene Entwicklungsorganisationen und auch in den Projekten des ZDH weltweit tätig, vor allem in der Beratung von Unternehmen sowie der beruflichen Qualifizierung im Ausland.

Berufsbildungspartnerschaften als Kern der Handwerks-Aktivitäten

Kernprogramm für das Handwerk in der EZ sind Berufsbildungspartnerschaften (BBP), mit denen das Konzept der dualen beruflichen Aus- und Weiterbildung in Entwicklungs- und Schwellenländer getragen wird. Hier arbeiten deutsche Handwerksorganisationen mit lokalen Partnern in vielfältigen Themen und Berufsbildern in 3-6-jährigen Programmzyklen zusammen. Die international am stärksten nachgefragten Berufe kommen aus der KFZ-Mechatronik, der Elektrik und Elektronik sowie der Solaranlagen-Technik.
Seit Anfang 2019 trägt das Handwerk im Rahmen des PartnerAfrika-Programms in Reformpartnerländern zur Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in Afrika bei.
Außerdem bringen deutsche Handwerksorganisationen im BMZ-Programm Kammer- und Verbandspartnerschaften (KVP) ihr Know-how seit vielen Jahren für den Aufbau und die institutionelle Stärkung lokaler Kammern und Verbände weltweit ein.

Die Partnerschaftsprojekte werden über die Durchführungsorganisation der Wirtschaft sequa gGbmH umgesetzt, die seit 30 Jahren der wichtigste Partner des Handwerks in der internationalen Zusammenarbeit ist.

Zusammenarbeit mit der GIZ
Mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH arbeitet der ZDH im Projekt Skilled Crafts and Trades Network 4 Africa zusammen. Das Projekt sensibilisiert und qualifiziert deutsche Handwerker*innen für die EZ, bringt deutsche und afrikanische Handwerker auf der Unternehmensebene sowie Handwerksbetriebe und Organisationen der beruflichen Bildung zusammen. Außerdem stößt das Vorhaben Betriebs- und Lernpartnerschaften an.
Die Zusammenarbeit konzentriert sich in erster Linie auf ausgewählte Länder - Ruanda, Uganda und Südafrika -, soll aber künftig auch auf weitere afrikanische Länder ausgeweitet werden.

Image des Handwerks
In Entwicklungs- und Schwellenländern ist das Image und die geringe gesellschaftliche Akzeptanz der beruflichen Bildung im Vergleich zur Hochschulbildung ein großes Problem. Dabei gibt es in diesen Ländern mit rasant wachsenden Metropolen einen hohen Bedarf an kompetenten Handwerkern.

In Jordanien ist der ZDH mit drei Handwerksorganisationen in Zusammenarbeit mit der GIZ in einem Projekt zur beruflichen Qualifizierung von syrischen Flüchtlingen und Einheimischen aktiv. Zwei Kreishandwerkerschaften und ein Fachverband schulen jordanische Berufsausbilder in den Bereichen Bäckerei, Tischlerei, Schweißen und Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. Neben dem Kapazitätsaufbau der Verbände ist die Entwicklung einer auf die Kultur Jordaniens zugeschnittenen Image-Kampagne, in Anlehnung an die deutsche Kampagne des ZDH, ein wichtiges Element des Projekts.

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