27.08.2018

ZDH-Präsident Wollseifer zur Familienpolitik und die Positionen des Handwerks

Foto: Boris Trenkel

Handwerk und Familie gehören seit jeher zusammen: Über drei Viertel aller Betriebe sind Familienbetriebe, in denen oft mehrere Generationen gemeinsam arbeiten. Solch familiengeführten Betriebe wissen aus eigener Erfahrung um die Sorgen und Nöte junger Familien, und sind oft besonders kreativ, wenn es darum geht, Lösungen für die unterschiedlichen Problemsituationen von Müttern und Vätern zu finden. Weil Handwerksbetriebe im Durchschnitt „Familiengröße“ haben, haben sie gegenüber Industriebetrieben den Vorteil, ganz individuell auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen zu können.

Familienfreundliche Betriebe sind die Betriebe der Zukunft. Wer heute seiner Belegschaft die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ermöglicht, sorgt für die Beständigkeit seines Unternehmens und stärkt so nachhaltig den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Eine familienorientierte Gestaltung des Arbeitsumfeldes ist heutzutage ein wichtiges Argument, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Fachkräfte wollen heute Erfüllung im Beruf und ein ausgewogenes Familienleben. Die Betriebe, die das ermöglichen, verschaffen sich Vorteile, wenn es darum geht, Fachkräfte für sich zu gewinnen.

Familienfreundliche Maßnahmen zahlen sich für die Betriebe aus. Die Motivation und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigen, Fehlzeiten sinken und das Unternehmen kann leichter qualifiziertes Personal gewinnen und langfristig an den Betrieb binden. Damit steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Handwerksbetriebe und langfristig die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb auch noch in Zukunft besteht.

Für eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf brauchen die Betriebe auch die Unterstützung durch die Politik. Nur wenn ein ausreichendes Angebot von Kinderbetreuungsmöglichkeiten zur Verfügung steht, kann es gelingen, berufliche und familiäre Pflichten unter einen Hut zu bringen. Länder und Kommunen sind gefordert, Eltern durch Betreuungsangebote echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.

 

 

Familienpolitische Positionen den Handwerks

Die bisherige Familienpolitik in Deutschland ist teuer, aber nur mäßigerfolgreich. Angesichts von niedrigen Geburtenzahlen und einer unzu-reichenden Frauenerwerbstätigkeitbrauchen wir ein Umsteuern –weg von der staatlichen Subventionierung hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf:

  • So gehören Regelungen auf den Prüfstand, die dazu beitragen, dass sich die Berufstätigkeit für einen Ehepartner (meist die Ehefrau) wenig oder gar nicht lohnt.

  • Das in vielen Bereichen immer noch unzureichende Angebot an staatlicher Kinderbetreuung muss ausgebaut werden.

  • Die Vereinbarung von familienfreundli-chen Arbeitszeiten wird durch die vielen unübersichtlichen Freistellungsansprüche eher erschwert. Hier ist eine har-monisierende Bündelung notwendig