31.07.2018

ZDH-Generalsekretär Schwannecke zu Mindestausbildungsvergütungen

Foto: Boris Trenkel

"Ausbildungsvergütung und Lohn dürfen nicht in einen Topf geworfen und verwechselt werden, denn eine Ausbildungsvergütung ist kein Lohn oder Gehalt. Während es beim Lohn oder Gehalt darum geht, damit seinen Lebensunterhalt vollständig zu bestreiten, ist eine Ausbildungsvergütung ein Zuschuss zum Lebensunterhalt während einer Zeit des Lernens und Erlernens. Dazu kommen dann auch noch das Kindergeld und andere soziale Förderungen. Azubis sind noch keine vollwertigen Arbeitskräfte und ihre Lehrjahre sind vor allem Lernjahre. Auch ein Student bekommt während seiner universitären Ausbildung schließlich keine „Studienvergütung“, dafür hat er aber Vergünstigen wie zum Beispiel ein Semesterticket. Ein vergleichbares günstiges Azubi-Ticket könnten wir uns gut als eine Möglichkeit vorstellen, um Auszubildende finanziell besser zu unterstützen.

Über Jahrzehnte hat sich bewährt, dass die Tarifpartner Ausbildungsvergütungen festgelegt haben, die dann die Besonderheiten der jeweiligen Branche, Region und Leistungsfähigkeit der Betriebe berücksichtigt haben. Dieses bewährte System durch starre gesetzliche Regelungen zu ersetzen, ist nicht notwendig. Eine generelle starre Untergrenze für Ausbildungsvergütungen würde dieser Vielfalt und den regionalen wie branchenüblichen Besonderheiten in keiner Weise gerecht. Sollten Betriebe durch staatlich festgesetzte Mindestausbildungsvergütungen überfordert werden, würde sich das zwangsläufig negativ auf das bestehende äußerst breite Ausbildungsengagement gerade auch der kleineren Betriebe im Handwerk auswirken und sich vermutlich der ein oder andere Betrieb aus der Ausbildung zurückziehen. Und das ist angesichts des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels nun sicherlich nicht wünschenswert. Wenn ich mir die Tarife anschaue, so sind diese in den letzten Jahren zum Teil überproportional gestiegen. Und der Fachkräftemangel wird ohnehin dazu führen, dass sich derartige Unterstützungen und auch die Löhne weiter nach oben entwickeln. Nur: Die Menschen müssen auch bereit sein, für die handwerklichen Leistungen, einschließlich der Ausbildung, die da drin steckt, angemessen zu bezahlen."


Auszüge des Statements sind am 31. Juli 2018 im Handelsblatt erschienen.