13.08.2018

Wollseifer zum Berufsbildungspakt: "Da muss man auch über Geld sprechen."

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Mit der dpa sprach ZDH-Präsident Wollseifer u.a. darüber, wie es gelingen kann, berufliche Bildung und akademische Bildung auch finanziell gleichwertig zu behandeln.

"Auf unser Drängen ist ein Berufsbildungspakt in den Koalitionsvertrag genommen worden. Der muss jetzt aber auch inhaltlich gefüllt werden. Da gilt es, dicke Bretter zu bohren. Und da muss man auch über Geld sprechen und mehr Geld in die Hand nehmen. Es geht darum, berufliche Bildung und akademische Bildung auch finanziell gleichwertig zu behandeln. Davon sind wir noch weit entfernt.

Wir fordern, dass die Meisterausbildung und -prüfung vollständig kostenfrei ist – genauso wie auch das Studium bis zum Examen kostenfrei ist. Wer jetzt seinen Meister macht, bei dem können derzeit nur knapp zwei Drittel der Kurs- und Prüfungskosten gefördert werden. Den Rest müssen die angehenden Meister selbst übernehmen. Kein Pappenstil, wenn man bedenkt, dass es bis zu 15.000 Euro kosten kann, den Meister zu machen. Dabei müsste die Politik gar keine Milliardenbeträge einsetzen, um den Meister kostenfrei zu stellen, sondern es wären schätzungsweise etwa um die 60 Millionen Euro, die dafür nötig wären. Das sollte es unserer Gesellschaft schon wert sein, meisterliches Können auch für die Zukunft zu sichern, umso mehr wenn man gleichzeitig sieht, dass in den Hochschulpakt Milliarden fließen.

Wir brauchen zudem mehr Mittel für die Ausstattung der Berufsschulen und der Berufsbildungsstätten des Handwerks. Wir betreiben im Handwerk über 600 Berufsbildungsstätten, und die müssen wir im Zuge der Digitalisierung auf den neuesten Stand bringen. Das kostet Geld.

Es kann nicht sein, dass die Begabtenförderung im Handwerk bundesweit mit 50 Millionen Euro gefördert wird - die Begabtenförderung akademischer Berufe aber mit fast 270 Millionen. Dazu kommt im akademischen Bereich die Exzellenzförderung mit 350 Millionen und ein Hochschulpakt mit mehr als zwei Milliarden im Jahr. Das ist eine riesige Diskrepanz zur Förderung des Handwerks. Wir wollen keine Milliarden, aber eine wesentlich bessere Mittelausstattung. Die Politiker reden sonntags gerne von Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Ausbildung, dann sollen sie diese bitte auch in der Woche umsetzen. Das ist eine dringende Forderung. Wenn wir nicht wollen, dass uns die Fachkräfte ausgehen, dann muss hier ganz rasch etwas getan werden."