01.11.2018

Warum uns heute viele Meister fehlen - Statement von ZDH-Präsident Wollseifer

„Die Abschaffung der Meisterpflicht für 53 der 94 Handwerksberufe hat spürbare Folgen hinterlassen: qualitativ wie auch quantitativ weniger Fachkräfte, weniger Ausbildung und nicht selten Klagen über Qualitätseinbußen bei den Handwerksleistungen. Die mit der Novelle der Handwerksordnung verbundene Hoffnung, durch die Abschaffung der Meisterpflicht mehr Fachkräfte zu bekommen, hat sich mitnichten erfüllt.

In den zulassungsfreien Gewerken wie beispielsweise Fliesenleger oder Parkettleger kann seit der Deregulierung jeder einfach loslegen, ohne dass er dafür irgendeinen Qualifikationsnachweis vorlegen muss. Entsprechend weniger Menschen qualifizieren sich dort zum Meister weiter. Viele Gründungen in den deregulierten Handwerksberufen, bei denen weder Inhaber noch Leiter eine einschlägige Qualifikation haben, verschwinden zudem schnell wieder vom Markt. Die Betriebe sind selten darauf angelegt, Personal aufzubauen und auszubilden.

95 Prozent aller Azubis im Handwerk werden hingegen von Betrieben der 41 zulassungspflichtigen Handwerksberufe, also von den Meisterbetrieben, ausgebildet, nur 5 Prozent in solchen ohne Meisterpflicht. Ohne engagierte Meister könnten wir den erheblichen Fachkräftebedarf unserer Betriebe also nicht stemmen. Wenn es in einem Gewerk immer weniger Meister gibt, ist die Weitergabe von Wissen und qualifizierter Ausbildung gefährdet, teils findet sie bereits heute nicht mehr statt. Die Ausbildungsleistung ist in den betroffenen Gewerken ist stark zurückgegangen. Und wenn keine Azubis nachkommen, fehlen uns künftig die Fachkräfte.

Deswegen ist richtig, Fehlentwicklungen, die aus der Abschaffung der Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen in Gang gesetzt wurden, rückgängig zu machen. Und es bleibt wichtig, dass wir junge Menschen ermutigen, nach einer Ausbildung im Handwerk auch den Weg dieser beruflichen Aufstiegsfortbildung zu gehen. Der Meisterbrief ist die Spitzenqualifikation im Handwerk. Meisterinnen und Meister sind darin geschult worden, Jugendlichen die Grundlagen für eigene Berufskarrieren zu vermitteln, Betriebe zu gründen oder zu übernehmen und sie erfolgreich zu führen. Und auf dem Weg dorthin müssen wir die Jugendlichen unterstützen – auch finanziell. Nur knapp zwei Drittel der Kurs- und Prüfungskosten können zurzeit gefördert werden. Den Rest müssen die angehenden Meisterinnen und Meister selbst übernehmen. Wir fordern von der Politik, dass Meisterausbildung und -prüfung vollständig kostenfrei sind - genauso wie auch das Studium bis zum Examen kostenfrei ist.“


Auszüge des Statements erschienen am 3. November 2018 in der Freien Presse.