09.08.2018

Statement von ZDH-Präsident Wollseifer zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen

Foto: Adobe Stock/Robert Kneschke

„Unsere Betriebe haben mit ihren Flüchtlings-Azubis ganz überwiegend positive Erfahrungen gemacht – was nicht heißt, dass eine solche Ausbildung für Betriebe wie Flüchtlinge einfach oder gar ein Selbstläufer ist. Keine Frage: Es gibt Sprach- und Qualifikationsdefizite und teils auch Probleme wegen fehlender Dokumente und Papiere, aber es gibt eben auch die hohe Motivation und den Einsatz der Flüchtlings-Azubis. Und unsere Betriebe engagieren sich und tragen etwa durch Nachhilfe oder die Begleitung bei Behördengängen dazu bei, Hürden abzubauen und wo immer möglich zu überwinden.

Übereinstimmend berichten unsere Betriebe, dass für Flüchtlinge eine Ausbildung in hohem Maße Ansporn ist, im Betrieb und auch in dem Ort, in dem sie leben, Fuß zu fassen. Eine Ausbildung gibt eine Perspektive für die Zukunft, was die Integration ganz erheblich befördert und beschleunigt. Um den Betrieben und den Flüchtlingen diese Perspektive und Planungssicherheit zu geben, haben wir die 3+2 Regelung vorgeschlagen und deren Umsetzung 2016/2017 in einer damals innenpolitisch schwierigen Situation gegen viele Widerstände durchgesetzt.

Wir stehen weiter uneingeschränkt zu dieser Regelung. Umso weniger ist für uns nachzuvollziehen, warum die Bundesländer die vom Handwerk durchgesetzte 3+2-Regelung in einigen Fällen nach wie vor unterschiedlich handhaben, und damit unseren integrationswilligen und ausbildungsbereiten Betrieben immer noch Steine in den Weg legen.

Es muss flächendeckend garantiert sein, dass ein Lehrling ohne gute Bleibeperspektive seine Ausbildung beenden und nach seinem Abschluss noch zwei Jahre in seinem Beruf arbeiten darf, ohne dass er eine Abschiebung befürchten muss. Sicherlich nicht zuletzt, weil wir immer wieder angemahnt haben, dass die 3+2 Regelung bundesweit einheitlich angewandt werden muss, scheint es inzwischen weniger Probleme damit zu geben, und Abschiebungen aus Ausbildungen heraus mittlerweile eher Ausnahmen zu sein. Ungeachtet dessen muss die im Koalitionsvertrag vorgesehene bundeseinheitliche Anwendung der 3+2 Regelung ganz ohne Ausnahmen die Regel werden.“


Auszüge des Statements erschienen am 5. August 2018 im Tagesspiegel.