28.06.2018

"Die OECD hat den Politikern Jahre lang eingeredet, dass die deutsche Akademikerquote zu niedrig ist"

ZDH
Foto: ZDH/Schüring.

Das Handwerk setzt sich seit Jahren für die Aufwertung der beruflichen Bildung ein. Zu lange haben Politiker ihren Fokus auf die akademische Ausbildung und die Hochschulen gelenkt. Die Auswirkungen spüren wir heute. Das Handwerk, die Industrie und die Wirtschaft insgesamt beklagen den Fachkräftemangel. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer erklärt, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte.

„Zuerst ist da die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie hat unseren Politikern Jahre lang eingeredet, dass die deutsche Akademikerquote zu niedrig ist. Die OECD hat aber nicht verstanden, dass Deutschland anders tickt als andere Staaten. Bei uns sind viele Berufe, die anderswo an der Hochschule gelehrt werden, klassische Ausbildungsberufe: Augenoptiker, Zahntechniker, orthopädische Fachkräfte zum Beispiel.

Hinzu kommt, dass junge Leute lieber studieren, weil sie glauben, als Akademiker verdienen sie im Berufsleben mehr. Die Zahlen zeigen aber: Das ist falsch!

Das Handwerk ist lukrativer, als viele denken. Ein Meister in betriebsleitender Funktion erhält in größeren Betrieben zwischen 3.500 € und 5.500 € brutto. Wer richtig gut ist und ein eigenes Unternehmen hat, kann noch wesentlich mehr verdienen, Ich kenne einen Studienaussteiger der Medizin, der eine Ausbildung zum Hörakustiker gemacht hat. Inzwischen ist er Chef von 57 Filialen und enorm erfolgreich. Für die OECD wäre er ein Bildungsabsteiger. Für uns sind Studienaussteiger eine wichtige Zielgruppe – gerade auch mit Blick auf die vielen anstehenden Betriebsnachfolgen.“