11.03.2021

Handwerk denkt in Generationen – und erwartet das auch von der Politik

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer (ganz links) diskutiert beim ZDH-Forum Nachhaltigkeit mit Gästen aus der Politik.
ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer und Moderatorin Anke Plättner im Dialog mit den politischen Gästen Svenja Schulze, Armin Laschet und Annalena Baerbock (v.l.n.r.).
Foto: ZDH/Boris Trenkel

Das deutsche Handwerk hat sich in Berlin zu einer nachhaltig ausgerichteten Wirtschaft bekannt. Das eigens zum Thema am 11. März 2021 in Berlin stattfindende ZDH-Forum „Wir denken in Generationen“ stellte das Potenzial der mehr als eine Million Handwerksbetriebe für die nachhaltige Entwicklung Deutschlands in den Mittelpunkt.

Im Dialog mit Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der CDU Deutschlands, und Annalena Baerbock, Vorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, sowie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gesellschaft, Wissenschaft und Praxis ging es um die Frage, wie das Handwerk sein Erfahrungswissen in die Nachhaltigkeitspolitik der kommenden Jahre einbringen kann. Insbesondere mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl wurde zudem diskutiert, was hier von der Politik erwartet wird.

„Nachhaltigkeit heißt für uns: Verantwortung und Verbundenheit. Und es heißt auch: Wirtschaftliche Chancen in einer nachhaltigen Entwicklung sehen - für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung“, betonte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), in seiner Einführung. Nachhaltigkeit könne aber nur dann zu einer wirtschaftlichen Chance für das Handwerk werden, wenn die Politik mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen setze. Das sei Voraussetzung dafür, dass die rund eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland ihr Potenzial bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele voll ausschöpfen könnten.

Die zentrale Rolle der Handwerksbetriebe in diesem Umsetzungsprozess würdigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Niemand im Land weiß besser als die Handwerkerinnen und Handwerker, was „Nachhaltigkeit“ in der Praxis bedeutet. Die Umweltpolitik der Bundesregierung schafft im Handwerk viele zukunftssichere Arbeitsplätze, sei es bei der energetischen Gebäudesanierung, der Energieversorgung oder der Kreislaufwirtschaft. Ihre Branche ist ein zentraler Treiber für Nachhaltigkeit und Klimaschutz“, so die Bundesumweltministerin.

Der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und Vorsitzende der CDU-Deutschlands Armin Laschet wies auf die Bedeutung des Handwerks hin: „Das Handwerk ist mit seinen weit mehr als fünf Millionen Beschäftigten und über eine Million Betrieben mit rund 640 Milliarden Euro Umsatz eine Stütze der deutschen Wirtschaft und unverzichtbarer Partner für ein zukunftssicheres, wettbewerbsfähiges und nachhaltiges Deutschland. Es schafft Werte und Wachstum, es gibt ökologische, ökonomische und soziale Impulse, es treibt Innovationen voran und sichert Arbeitsplätze und Wohlstand“, so Laschet. „Mit Blick auf zukünftige Generationen brauchen wir die Innovationskraft und wirtschaftliche Stärke des Handwerks. Ob Wärmedämmung, Modernisierung von Heizanlagen oder die Installation von EEG-Anlagen – ohne Handwerk läuft da nichts. Mit der Abschaffung bürokratischer Hürden, wie wir es in Nordrhein-Westfalen vorgemacht haben, entlasten wir das Handwerk, damit es diese Potenziale voll ausschöpfen kann“, hob Laschet hervor.

Auch Annalena Baerbock, Vorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, verwies auf die elementare Rolle des Handwerks für den Nachhaltigkeitswandel: „Das Handwerk ist unverzichtbar für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Es schafft Arbeitsplätze und Wohlstand und legt den Grundstein für die ökologische Transformation. Nachhaltiges, klimaneutrales Wirtschaften - von der Gebäudesanierung bis zum Heizungstausch - geht nur mit dem Handwerk und bietet zugleich riesige Chancen für die Betriebe“, betonte Baerbock.

Handwerkspräsident Wollseifer wies darauf hin, dass nachhaltiges, generationenübergreifendes Denken und Handeln im Handwerk weit über den Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes hinausgeht: Gelebte Realität ist es auch in den Bereichen Fachkräfteausbildung, Beschäftigung und Existenzgründung, der sozialen Sicherung, beim Ressourcenschutz und der Ausrichtung von Produktionsbereichen sowie beim Erhalt von Kulturgütern und Versorgungsstrukturen. Auf der als Videokonferenz durchgeführten Forumsveranstaltung appellierte der Handwerkspräsident an die Politik, dieses Erfahrungspotential stärker zu nutzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wie handwerkliche Betriebe nachhaltiges Denken und Handeln in der Praxis leben, stellten im Rahmen einer Talkrunde Handwerksunternehmerin Katja Hobler (Markus Glöckner Natursteine) zusammen mit ZDH-Präsident Wollseifer, mit dem Vorsitzenden des Rates für nachhaltige Entwicklung Dr. Werner Schnappauf und mit der Co-Vorsitzenden der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 Dr. Christa Liedke dar. Sie diskutierten, welche Weichenstellungen in Deutschland notwendig sind, um die Erfahrungskompetenz des Handwerks im Bereich Nachhaltigkeit besser für andere Gesellschaftsbereiche zu erschließen und den Handwerksbetrieben zu ermöglichen, Nachhaltigkeit und erfolgreiches Wirtschaften besser miteinander zu verbinden.

ZDH-Positionspapier: Nachhaltigkeit im deutschen Handwerk

Im ZDH-Positionspapier „Werte erschaffen. Werte bewahren. Zukunft gestalten. Nachhaltigkeit im deutschen Handwerk“ werden die Bereiche und Berührungspunkte benannt, in denen Nachhaltigkeit im Handwerk zum Tragen kommt. Zudem sind im Papier konkrete Erwartungen an die Politik formuliert.

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