Arbeitnehmer im Handwerk: Reform der Handwerksordnung muss zu mehr bildung und mehr Qualifizierung führen

Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der 55 Handwerkskammern tagen in Ulm

Ulm/Berlin, 17. Oktober 2003 – "Eine Modernisierung der Handwerksordnung ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreter im Handwerk notwendig. Ziel muss es dabei sein, mehr Bildung und Qualifizierung zu ermöglichen. Das sind die richtigen Antworten auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft und auf einen vergrößerten europäischen Binnenmarkt mit verschärftem Wettbewerb. Diesem Anspruch werden die Pläne der Bundesregierung zur Novellierung der Handwerksordnung nicht gerecht. Im Gegenteil: Sie zerstören maßgebliche Voraussetzungen für die hohe Qualität und Quantität der Ausbildung. Deshalb setzen wir uns dafür ein, das Prinzip der geprüften Qualifikation mit der Spitzenqualifikation Meisterbrief als Voraussetzung für Selbständigkeit im Handwerk weiter zu stärken." Das erklärte Arbeitnehmer-Vizepräsi-dent und Vorstandsmitglied des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT), Heidulf Masztalerz, heute in Ulm. Anlass ist eine Tagung der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten aller Handwerkskammern zum Thema "Existenzgründung im Handwerk".

"Weniger Ausbildung wäre die direkte Folge der Umsetzung der Gesetzentwürfe der Bundesregierung zur Novellierung der Handwerksordnung", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT), Wolf-Hermann Böcker. Die Meisterbetriebe im Handwerk bilden weit über ihren eigenen Bedarf aus. Auch dank dieses Engagements ist es gelungen, im aktuellen Lehrjahr die rechnerische Lehrstellenlücke zum Stichtag 30. September auf 20.000 - verteilt auf alle Wirtschaftsbereiche - zu drücken. "Bis zum Jahresende wollen wir 170.000 neue Lehrverträge im Handwerk abgeschlossen haben - trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Lage der Handwerkswirtschaft und unsicherer politischer Rahmenbedingungen", so Böcker.

In den kommenden Wochen hat im Handwerk die Nachvermittlung noch nicht vermittelter Bewerber oberste Priorität. Den Lehrstellensuchenden stehen noch rund 5.800 offene Stellen im Handwerk gegenüber. Dennoch unternehmen die Handwerksorganisationen in diesen Tagen vielfältige Anstrengungen, um zusätzliche Ausbildungsplätze zu gewinnen. Gemeinsam appellierten Masztalerz und Böcker an alle Betriebe, die bisher nicht ausbilden, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Böcker kritisierte in diesem Zusammenhang die anhaltenden Überlegungen in der Bundesregierung zur Einführung einer Ausbildungsabgabe: "Dies konterkariert die intensiven, erfolgreichen Bemühungen des Handwerks für eine positive Lehrstellenbilanz 2003. Eine Ausbildungsabgabe schafft nach den Erfahrungen aus der Bauwirtschaft keine zusätzlichen Lehrstellen. Sie wirkt stattdessen wie eine neue Steuer für die ohnehin krisengeschüttelten Betriebe."