28.06.2018

ZDH-Präsident Wollseifer fordert Hardware-Nachrüstungen bei Diesel-Fahrzeugen

Foto: ZDH.

Herr Wollseifer, Handwerker fahren in der Regel Dieselfahrzeuge. Ihnen drohen schlimmstenfalls Fahrverbote. Welche Konsequenzen hätte das?

Wir haben im Handwerk Millionen Nutzfahrzeuge, je nach Betrieb zwischen 80 bis 90 Prozent fahren mit Diesel. Bürger und Handwerker haben die Autos im guten Glauben gekauft, dass sie diese eine angemessene Zeit auch nutzen können. Wenn Fahrverbote drohen, werden wir einen Riesenkrach veranstalten. Wir wollen nicht die Dummen sein, weil die Autohersteller ihre Produktversprechen nicht eingehalten und gelinde gesagt geschummelt haben. Die Autohersteller müssen das tun, was auch ein guter Handwerker macht, wenn er Mist gebaut hat: Dann steht er dafür gerade und macht sich nicht einen schlanken Fuß. Er hat eine Gewährleistungspflicht, die zu erfüllen ist. Genau das muss auch für die Autohersteller gelten.

 

Das heißt konkret?

Wir fordern eine Hardware-Nachrüstung. Wie wir von unseren Kfz-Werkstätten wissen, gibt es die Möglichkeiten dazu bereits. Die Teile dafür sind vorhanden und werden fürs Ausland schon eingebaut – nur eben nicht für Deutschland. Diese Hardware-Nachrüstung ist effizient. Nach einer Studie des ADAC und des Verkehrsministeriums in Baden-Württemberg könnten die Emissionen dadurch um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Das müssen die Autohersteller jetzt umsetzen und bezahlen. Von der Politik erwarten wir, dass dazu endlich ein klares Wort gesprochen wird. Dies kommt bisher nur von der Bundesumweltministerin – alle anderen lavieren sich durch das Thema.

 

Angenommen, ein ähnlicher Betrugsfall hätte in einer anderen Branche – wie dem Handwerk - stattgefunden, die nicht so eine starke Lobby hat wie die Autoindustrie. Was wäre dann passiert? Schützt die Politik die Autoindustrie?

Ja. Teile der Politik schützen die Branche zu sehr. Hätten wir vor zwei Jahren, als das Problem schon bekannt war, mit den Hardware-Nachrüstungen begonnen, dann wäre das Thema heute erledigt. Es wäre leicht für die Politik, die Autobauer in die Pflicht zu nehmen. Sie muss es nur tun. Wir brauchen hier eine klare politische Ansage. 

Das Interview führten Karsten Kammholz und Beate Kranz. Auszüge der Antworten erschienen am 25. Juni 2018 in mehreren Tageszeitungen der Funke Mediengruppe.