20.09.2018

ZDH-Generalsekretär Schwannecke zum Wohngipfel der Bundesregierung

Foto: Boris Trenkel

Zu dem im Bundeskanzleramt stattfindenden Wohngipfel erklärt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke:

"Durch den hochrangig besetzten Gipfel verdeutlicht die Bundesregierung, dass der Wohnungsbau in ihrer Prioritätenliste für die laufende Legislaturperiode weit oben verankert ist. Das unterstützt das Handwerk ausdrücklich. Das Thema Wohnungsbau und damit verbunden die Sicherung bezahlbaren Wohnens ist für den Zusammenhalt in unserem Land zu bedeutend, als dass man es kurzfristigen tagespolitischen Auseinandersetzungen überlassen darf. 

Für das Handwerk ist es eminent wichtig, die Wohnungsbauzahlen zu steigern. Das gilt nicht nur für die Bau- und Ausbaugewerke und aus ökonomischen Gründen, um handwerkliche Betätigungsfelder auch für die Zukunft zu sichern. Handwerk ist immer auch ein Abbild der Gesellschaft und insofern sind Handwerksbetriebe darauf angewiesen, dass ihre Beschäftigten, Auszubildenden und nicht zuletzt die Betriebsinhaber selbst mit ihren Familien auch in den Ballungsräumen bezahlbare Wohnungen finden.

Ausdrücklich begrüßt der ZDH, dass die Bundesregierung bereits wesentliche Weichen gestellt hat, indem sie die Mittel für die soziale Wohnraumförderung verstetigt, die Steuerabschreibung verbessert und die Wohneigentumsbildung unterstützt hat. 

Für das Handwerk ist es ein zentrales Anliegen, dass die Investitionsbedingungen und der Regelungsrahmen verstetigt und verlässlich gestaltet werden. 

Der Kampagnencharakter des Themas Wohnungsbau muss überwunden werden. Nur wenn langfristige Stabilität der Rahmenbedingungen gewährleistet ist, können und werden die Betriebe Kapazitäten aufbauen. Nur dann werden unsere Anstrengungen zur Fachkräftegewinnung erfolgreich sein. Ohne Handwerker kann es keinen Erfolg der Wohnungsbauoffensive geben.

Die Kommunen müssen vermehrt geeignetes Bauland bereitstellen – in den Innenstädten wie an den Stadträndern. Beim wieder notwendigen Aufbau langfristig gesicherter Planungskapazitäten müssen Städte und Gemeinden durch Bund und Länder unterstützt werden. Statt reiner Wohnsiedlungen brauchen wir gemischte, vielfältige Quartiere, die auch Raum bieten für die kleinen Unternehmen, die diese Stadt bauen, reparieren, dort Dienste leisten, Arbeitsplätze bieten und Migranten integrieren.

Auch das Potenzial des Mittelstandes als Bauherr kleinerer Mehrfamilienhäuser muss stärker als bisher aktiviert werden. Das erfordert Kleinteiligkeit des Städtebaus und geeignete Förder- und Vergabemechanismen. Solche Wohnbauprojekte des Mittelstands sind keine Spekulationsobjekte, sondern langfristige Anlagen für Generationen. Sie sind damit auch ein Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum für Mieter und Mitarbeiter und für stabile nachhaltige Quartiere.

Freifinanzierter, genossenschaftlicher und geförderter Mietwohnungsbau sowie Wohneigentumsbildung werden nach Ansicht des Handwerks allesamt zur Lösung der Wohnungsknappheit gebraucht. Neben Studentenwohnungen benötigen wir in den Städten auch verstärkt Wohnungen für Lehrlinge. Die Rahmenbedingungen für diesen breiten Mix von Wohnungsbaumaßnahmen müssen verbessert und langfristig gesichert werden. Die von der Baukostensenkungskommission vorgeschlagenen Maßnahmen zur Entbürokratisierung sind konsequent umzusetzen. Weitere Verschärfungen von Regelungen, die das Bauen von Mietwohnungen verteuern und gerade für kleinere Bauherren unattraktiv machen, müssen vermieden werden.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks engagiert sich schon seit 2014 im „Bündnis für Bezahlbares Wohnen und Bauen“ und vertritt auch auf dem Wohngipfel die Interessen des deutschen Handwerks."