14.09.2018

Festakt zur Auszeichnung von „Orgelbau und Orgelmusik“ als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit

Foto: Adobe Stock/elena

„Orgelbau und Orgelmusik“ sind am 14. September 2018 in einem Festakt im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit ausgezeichnet worden. Stellvertretend für alle Träger dieses Kulturerbes haben Orgelbaumeister Thomas Jann (Bund Deutscher Orgelbauer), Klavierbaumeister Jan Enzenauer und Orgelbaumeister Christoph Böttcher (Bundesinnungsverband für das Musikinstrumentenhandwerk), Christoph Keggenhoff (Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands) und Professor Dr. Matthias Schneider (Gesellschaft der Orgelfreunde e. V.) die UNESCO-Urkunde erhalten. Die Beauftragte für Auswärtige Kulturpolitik im Auswärtigen Amt und stellvertretende Leiterin der Abteilung Kultur und Kommunikation, Irmgard Fellner, überreichte die Urkunde, mit der die Aufnahme der Kulturform in die Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit bestätigt wird.

„Orgelbau und Orgelspiel haben in Deutschland eine große, über Generationen gepflegte und weltweit beachtete Tradition. Viele deutsche Orgelbaubetriebe bauen in Kirchen und Konzerthäusern der ganzen Welt mit großem Können wunderbare Orgeln. Aber die Orgel ist ein kosmopolitisches Instrument. Orgelbau und Orgelspiel sind in vielen Ländern zu Hause“, betonte die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer in ihrem Grußwort.

„Die Anerkennung erfüllt das deutsche Handwerk mit Freude und Stolz, bringt sie doch zum Ausdruck, dass Orgelhandwerk und musikalische Praxis in Deutschland in herausragender Weise gepflegt werden“, würdigte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) die Auszeichnung. Das Orgelbau-Handwerk sei vielleicht zahlenmäßig nicht das größte Handwerk in Deutschland. Aber dafür seien die deutschen Orgelbauer besonders leistungsfähig, und ihr herausragendes Know-how rund um den Globus nachgefragt. „Die UNESCO-Anerkennung bedeutet auch, dass das Orgelhandwerk und die musikalische Praxis in Deutschland, die so berühmte Ahnherren wie Arp Schnitger und Johann Sebastian Bach vorweisen können, einen nicht unwesentlichen Teil eines positiven Deutschlandbildes in der Welt ausmachen. Das ist eine wichtige Botschaft, gerade wenn man sich das Deutschlandbild im Wandel der Zeit und besonders aktuell besieht“, betonte Schwannecke. Schließlich weise die Anerkennung auf den Zusammenhang zwischen materiellem und immateriellem Kulturerbe hin. „Man kann die Musik nicht ohne die Orgeln denken, auf denen die Musiker sie spielen. Die Orgelinstrumente wiederum sind ohne die Bauten und Einrichtungen, in denen sie zum Klang kommen, nicht vorstellbar. Und alles ginge nicht ohne die Handwerker, die in der Lage sind, all das zu bauen, zu restaurieren und zu erhalten. Diese Symbiose hat die UNESCO ausgezeichnet, und genau so sollte Kulturerbe immer verstanden und behandelt werden – als etwas, das im Zusammenspiel von Tradition und Können etwas Herausragendes und in die Zukunft Tragendes ist“, erklärte der ZDH-Generalsekretär.

Bereits im Dezember 2017 hat der Zwischenstaatliche UNESCO-Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe über diese Nominierung aus Deutschland entschieden. Als Immaterielles Kulturerbe gelten lebendige, von menschlichem Wissen und Können getragene und von Generation zu Generation weitergegebene kulturelle Ausdrucksformen. Darunter fallen darstellende Künste, mündliche Traditionen, Bräuche, Feste, besonderes Wissen im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie Handwerkskünste. Auf das Handwerk bezogen bezeichnet das Immaterielle Kulturerbe auch das besondere Know-how in den Köpfen und Händen der Handwerker, das für die Entstehung und Erhaltung vieler materieller Kulturgüter erst die Voraussetzung darstellt.

2013 ist die Bundesrepublik der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. „Orgelbau und Orgelmusik“ ist nach dem Genossenschaftswesen die zweite Kulturform, die erfolgreich von Deutschland zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit nominiert wurde. Unter den 470 Einträgen aus 117 Ländern ist die Bundesrepublik Deutschland auch am multinationalen Eintrag der Falknerei beteiligt.
 
Der Festakt bildet den feierlichen Abschluss des Handwerkskongresses „Kulturerbe Handwerk in Europa“, bei dem seit Mittwoch Handwerker und Handwerksorganisationen, Fortbildungszentren und Kulturerbeeinrichtungen aus ganz Europa Fragen handwerklicher Restaurierung und Denkmalpflege diskutiert haben. Dem Festakt folgen ein umfangreiches öffentliches Orgelmusikprogramm im Französischen Dom und im Konzerthaus am Gendarmenmarkt sowie die „Orgelfestwochen Berlin“ vom 15. bis 30. September. Das detaillierte Orgelmusikprogramm am 14.09.finden Sie hier: https://www.gdo.de/UNESCO/, das Programm zu den „Orgelfestwochen Berlin“ unter: https://www.unesco.de

Pressekontakte

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Pressesprecherin
Beate Preuschoff
Tel. +49 30 20619 370
E-Mail: preuschoff(at)zdh.de

Deutsche UNESCO-Kommission
Pressesprecherin
Katja Römer
Tel. +49 228 6049742
E-Mail roemer(at)unesco.de