02.01.2017

Neuer Geist in Europa gefragt

In einem Reuters-Interview zum Jahreswechsel gibt sich ZDH-Präsident Wollseifer optimistisch.

Welches Prädikat geben Sie dem Jahr 2016. War es ein Jahr der Wende zum Schlechteren (Trump-Wahl, Brexit, Italien-Referendum)?

Wollseifer: Für Viele in Deutschland und insbesondere das deutsche Handwerk ist 2016 wirtschaftlich ein Rekordjahr. Was die Wahlentscheidungen in den USA oder Großbritannien angeht: Das sind Momentaufnahmen im demokratischen Prozess. Sie sind auch Herausforderungen für die Politik insgesamt. Ob sie letztlich Schlechtes bringen, wird auch davon abhängen, wie wir alle, vor allem aber die Politik, reagieren.

Welches sind Ihre drei größten Sorgen für das kommende Jahr?

Wollseifer: Eine Sorge treibt mich besonders um:  In Deutschland müssen wir hunderttausende Flüchtlinge nachhaltig in die Gesellschaft und ins Arbeitsleben integrieren. Da dürfen wir alle nicht nachlassen, nicht wir Deutsche, nicht die zu uns Geflüchteten.

Welches sind die wichtigsten Aufgaben des Jahres 2017 für die deutsche Politik?

Wollseifer: Die in der EU verbleibenden 27 Staaten müssen einen neuen Geist für die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik in Europa entwickeln. Es geht nicht mehr um die Krümmung der Gurke, es geht ums Ganze.

Und für die Wirtschaft?

Wollseifer: Der Stellenwert der beruflichen Bildung muss in der Gesellschaft auf eine Stufe mit der akademischen Bildung gehoben werden. Das schließt die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur ein. Sonst fehlen uns schon in wenigen Jahren die für das Funktionieren der deutschen Wirtschaft unabdingbar notwendigen gut ausgebildeten Facharbeiter.

Mit welchen Gefühlen sehen Sie der Bundestagswahl 2017 entgegen?

Wollseifer: Sehr ambivalenten Gefühlen. Schon wieder wird die Rente in den Wahlkampf gezogen und damit das Vertrauen in unser System erschüttert. Schon wieder erschöpft sich Steuerpolitik im Versprechen, Steuern nicht zu erhöhen. Noch immer fallen zu viele Menschen auf zu einfache Antworten auf komplexe Fragen herein.

Wie sehen sie die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr? 

Wollseifer: Sehr positiv. Allein im Handwerk erwarten wie zweieinhalb Prozent Wachstum. Damit das so bleibt, muss allerdings investiert werden: In die Breitbandinfrastruktur, in Straßen und Brücken, in Reparatur und Neubau öffentlicher Gebäude.