10.05.2017

Gute Perspektiven im Handwerk

Herr Wollseifer, im Handwerk gibt es gute Perspektiven. Hat sich das schon in den Schulen herumgesprochen?

Nein, die jungen Menschen erfahren in ihren Schulen viel zu wenig über die vielfältigen Möglichkeiten. Bessere Berufsorientierung ist wichtig. Im Handwerk gibt es großartige Chancen. Mit unserer Imagekampagne machen wir das deutlich, aber auch mit zahlreichen Veranstaltungen wie jüngst am Girl`s Day oder dem Tag des Handwerks im September.

 

Wie steht es um die berufliche Orientierung in den Gymnasien? Die Nachfolge beschäftigt viele Unternehmer – und Führungskräfte werden im Handwerk immer dringender benötigt.

Hier gibt es besonderen Nachholbedarf. Gemeinsam mit der Politik starten wir ein Konzept "Höhere Berufsbildung" für leistungsstarke Jugendliche. Dazu gehört das Berufsabitur als neue Bildungsmarke. Der doppelqualifizierende Bildungsgang – also Gesellenabschluss plus Abitur – kommt ab dem Schuljahr 2017/2018 in ausgewählten Bundesländern zur pilothaften Erprobung. Österreich und die Schweiz sind damit sehr erfolgreich. Außerdem weiten wir das Angebot an dualen und trialen Studiengängen aus.

 

Dem Handwerk wird bei der Integration im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen derzeit oft die Musterrolle attestiert. Warum ist das so?

Im Handwerk haben wir traditionell eine sehr große Erfahrung mit jungen Menschen und eine hohe Sozialkompetenz. Für die meisten Betriebe ist gesellschaftliches Engagement selbstverständlich. Die Stader Baufirma Lindemann ist eines von Tausenden Handwerksunternehmen, die auch Flüchtlinge ausbilden. Das freut mich sehr! Denn das ist für die gesamte Wirtschaft eine enorme Herausforderung.

 

Von Karsten von Borstel
Das Interview erschien am 10. Mai 2017 im Stader Tageblatt.