15.02.2016

Willkommen bei den Profis

Im Interview mit der Leipziger Volkszeitung (13.02.2016) wirbt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer um Nachwuchs.

Wie sind die konjunkturellen Aussichten im Handwerk für dieses Jahr?

Wollseifer: Das Handwerk ist eine starke Säule, ein Garant für Wachstum. Das vergangene Jahr war hervorragend. Und für 2016 erwarten wir ein Umsatzplus von 2 Prozent.

Wie sieht es in Ostdeutschland aus?

Wollseifer: In ganz Deutschland steigen die Einkommen, das Beschäftigungsniveau ist hoch, die Energiepreise niedrig. Das ist gut für den Konsum.

Ihr Wirtschaftszweig profitiert vom anhaltend positiven Binnenklima?

Wollseifer: Ja. Zwei Beispiele: Der Neu- und Gebrauchtwagenmarkt hat sich erholt, gute handwerklich hergestellte Lebensmittel sind in. Dazu kommt der Niedrigzins. Die Menschen investieren in Immobilien, in Wohnungen und Häuser, in Neubauten genauso wie in Sanierungen. Das bedeutet mehr Aufträge für unsere Betriebe.

Sie dürften einer der Gewinner des Flüchtlingsstromes sein, weil Häuser und Wohnungen instand gesetzt werden, Neubauten geplant sind?

Wollseifer: Es ist wichtig, in Deutschland wieder den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln. Nicht nur für Flüchtlinge! Derzeit ist es eher so, dass Handwerker ehrenamtlich helfen, beispielsweise Flüchtlings-Unterkünfte mit eilends selbst gebauten Betten auszustatten.
 
Wie schwer ist es derzeit, einen Handwerker zu bekommen (Wartezeiten)?

Wollseifer: Meinen Bäcker treffe ich jeden morgen um halb sieben mit frischen Brötchen an! Aber Spaß beiseite - wenn die baunahen Handwerke gemeint sind: Dort gibt es aktuell eine Auslastung von im Schnitt mehr als sieben Wochen. Wenn Sie schnell einen Handwerker brauchen, kann es Probleme geben.

Was unternehmen Sie, um die langen Wartezeiten zu verkürzen?

Wollseifer: Unsere Betriebe finden einfach nicht genug Fachpersonal, um mit der verbesserten Auftragslage Schritt halten zu können. Im vergangenen Jahr hatten wir im Handwerk viele Stellen, die nicht besetzt werden konnten.
 
Immer mehr junge Menschen drängen zu Abitur und Studium. Verlieren Sie den Anschluss (wie steuern Sie dagegen)?

Wollseifer: Gerade in Ostdeutschland haben wir 2015 beim Nachwuchs wohl eine Wende eingeleitet. Die Azubi-Zahlen steigen. Das liegt auch daran, dass nirgendwo sonst in Deutschland sich so viele Abiturienten für die berufliche Bildung entscheiden. Mir persönlich liegt am Herzen, eine höhere Berufsbildung zu etablieren, die für jeden Handwerker die Chance bietet, auf der Karriereleiter höher zu steigen.

Was muss getan werden, um den Handwerksberuf attraktiver zu gestalten (Fachkräftemangel)?

Wollseifer: Jeder unserer Berufe ist attraktiv, glauben Sie mir. Aber wir haben lange vergessen, diese Botschaft nach außen zu tragen. „Willkommen bei den Profis - Karriere mit Lehre im Handwerk“ – mit dieser Überschrift werben die Handwerkskammern auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse gemeinsam um Nachwuchs. Das ist das richtige Signal! Dazu kommt die erfolgreiche Aktivität unserer Imagekampagne in den von der Jugend genutzten sozialen Medien.
 
Das regionale Handwerk ist bereit, Flüchtlinge auszubilden. Wie sehen Sie das, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Wollseifer: Das Handwerk hat mit der Bundesregierung verabredet, in seinen Bildungsstätten bis zu 10.000 junge Flüchtlinge für eine Ausbildung fit zu machen. Regionale Aktivitäten werden das Projekt ergänzen. Was mir wichtig ist: Wir dürfen über diese notwendige Hilfe zur Integration nicht die vergessen, die schon lange Probleme haben. Wir müssen Langzeitarbeitslose qualifizieren, wir müssen uns intensiv um junge Menschen aus sozial schwierigen Verhältnissen kümmern, wir müssen Migranten den Weg in die berufliche Bildung zeigen.