22.02.2016

Nachwuchs gesucht!

Energieeffizienz ist ein Top-Thema für das Handwerk, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer im Interview mit dem Trierischen Volksfreund (20.02.2016).


Dem Handwerk fällt es schwer, genügend Nachwuchs zu finden. Ist die Flüchtlingswelle eine Chance  für die Betriebe?

Hans Peter Wollseifer: Hilfe für Schutzsuchende ist zunächst einmal eine humanitäre Herausforderung, auch an das Handwerk. Viele Betriebe stellen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab, für ehrenamtliche Tätigkeiten beispielsweise in den Hilfsorganisationen oder dem THW. Wir sind außerdem bereit, junge Asylbewerber mit Interesse am Handwerk auf eine Ausbildung vorzubereiten. Da bieten sich Chancen für beide Seiten.

Wie können ZDH und Kammern hier helfen?

Wollseifer: Schulische oder berufliche Vorbildung sind bei den meisten Flüchtlingen auf niedrigem Niveau. Wir haben daher mit der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesbildungsministerin verabredet, in den kommenden beiden Jahren bis zu 10.000 Jugendliche auf eine Ausbildung vorzubereiten. Ein Sprachkurs und eine ausführliche Berufsorientierung in den Bildungsstätten der Handwerksorganisationen gehören dazu. Erst dann können wir die Verantwortung für die Ausbildung an die Betriebe weitergeben.

Welche Erwartungen haben Sie an die Politik in dieser Frage?

Wollseifer: Die Politik muss noch ihre Zusage einhalten, dass alle Asylbewerber, wenn sie eine Ausbildung begonnen haben, diese auch beenden können – und danach noch mindestens zwei Jahre beim Betrieb bleiben und Erfahrungen sammeln können.

Wie sehen Sie die bisherige Entwicklung? Wo gibt es schon gute Ansätze?

Wollseifer: Die Jugendlichen aus Afrika oder Nahost müssen erstens bereit sein, eine Ausbildung zu absolvieren und zweitens die deutsche Sprache ausreichend beherrschen – dann haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht. Sowohl in Projekten in den Bildungsstätten, wie auch in den Betrieben.

Die Energiewende und die Digitalisierung sind für die Handwerksbetriebe eine Herausforderungen. Wie können die gemeistert werden?

Wollseifer: Energieeffizienz ist Top-Thema im Handwerk. Es wird künftig noch wichtiger. Daher brauchen wir mehr Nachwuchs, müssen bei der Ausbildung auf dem letzten Stand der Technik sein. Ein Leuchtturmprojekt dafür entsteht gerade hier in Trier: Das neue Bildungszentrum ist das erste im Handwerk nach Passivhausstandard. Was die Digitalisierung angeht, gibt es bereits einen "Leuchtturm" in Rheinland-Pfalz: In Koblenz richten wir eines von vier Schaufenstern eines digitalen Netzwerks mit dem Schwerpunkt "Prozessmanagement 4.0 zur Professionalisierung von Unternehmensabläufen" ein – damit wollen wir alle Betriebe dabei unterstützen, mit der digitalen Entwicklung in ihrem Gewerk Schritt zu halten.

Worauf freuen Sie sich bei der Öko 2016?

Wollseifer: „Energieeffizienz“ und „Nachhaltigkeit“ – das sind bundesweit wichtige Themen für das Handwerk. Die ÖKO 2016 ist eine gute Gelegenheit für Jugendliche, die entsprechenden Berufe des Handwerks intensiv zu erleben und kennenzulernen. Getreu dem Jahresmotto des Handwerks: "Die Zukunft ist unsere Baustelle."

Interview: Heribert Waschbüsch