04.01.2016

Energiewende kraftvoll weiterführen

Die Energiewende kraftvoll weiterführen, mutig in Infrastruktur investieren, die berufliche Bildung stärken – das wünscht sich ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer 2016 von der Politik, im Interview mit der Nachrichtenagentur ThomsonReuters.

Haben sich durch die politischen Geschehnisse der letzten Wochen die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland verändert?

Hans Peter Wollseifer: Nein. Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben insgesamt gut. Die Handwerkskonjunktur wird von der guten Entwicklung am Binnenmarkt weiter getragen. Wir erwarten ein Wachstum von 2 Prozent für 2016.

Nach den Erfahrungen der letzten Monate mit der Flüchtlingsdebatte in Deutschland: Droht Deutschland eine innere Spaltung?

Wollseifer: Die Wirtschaft tut das Ihre, um das zu verhindern. Das Handwerk setzt darauf, dass in Zusammenarbeit mit Bund und Ländern und der Bundesagentur für Arbeit viele Flüchtlinge schneller als bisher in Qualifizierung und Ausbildung gebracht werden können. Die Menschen müssen "ankommen" und als Steuer- und Beitragszahler ihren Teil zu unserem Gemeinwesen beitragen können.

Ist das Projekt eines gemeinsamen Europas in Gefahr?

Wollseifer: Europa bringt sich gerade selbst in Gefahr. Doch wenn wir uns in kleinstaatlichem Denken verlieren und Solidarität verweigern, werden alle verlieren. Europa muss sich auf die einmaligen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte besinnen. Ich wünsche mir ein starkes Symbol für die Einheit Europas, wie es Kohl und Mitterand oder Schmidt und Giscard zustande brachten.

Welches sind für Sie die drei Hauptaufgaben für 2016, um die deutsche Wirtschaft im Aufwärtstrend zu halten?

Wollseifer: Die Energiewende kraftvoll weiterführen; endlich mutiger in Infrastruktur investieren; die berufliche Bildung stärken - das Handwerk hat mit mehr Berufsorientierung, Berufsabitur und umfangreichen Angeboten für alle leistungsorientierten Schulabgänger den Weg für 2016 vorgegeben.

Verfolgt die Regierung den richtigen Kurs, um weiterhin eine stabile Aufwärtsentwicklung zu gewährleisten?

Wollseifer: Nein. Die vorrangige Ausrichtung auf eine Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik gegen die Wirtschaft muss aufgegeben werden.

Was sind die beiden größten wirtschaftlichen Risiken für 2016?

Wollseifer: Angst – sie bremst die Zukunftsorientierung von Bevölkerung und Wirtschaft. Fachkräfteengpässe – sie drohen Wachstum abzuwürgen.

 

Interview: Gernot Heller