12.08.2020

„Zur Stabilisierung des Geschäftsbetriebes müssen öffentliche Verwaltungen wieder vollumfänglich funktionieren“

Portraitfoto von Holger Schwannecke im Haus des Deutschen Handwerks vor grauem Hintergrund
Foto: ZDH/Boris Trenkel

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke hat mit Steffen Range von der "Deutschen Handwerks Zeitung" (DHZ) zur Rolle der Kommunen und zur Notwendigkeit arbeitsfähiger Verwaltungen für ein erfolgreiches Wiederhochfahren der Wirtschaft gesprochen:

„Die Einschränkungen der letzten Monate haben sich spürbar auch auf die öffentlichen Verwaltungen ausgewirkt. Von Verbraucherseite wie auch von unseren Betrieben hören wir immer wieder, dass wichtige Dienstleistungen nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, häufig kommt es zu beträchtlichen zeitlichen Verzögerungen. Gerade für unsere Betriebe im Bau- und Ausbaubereich ist das in der jetzigen Situation, wo Aufträge abgearbeitet und verlorengegangenes Jahresgeschäft dringend nachgeholt werden muss, ein massiver Bremsklotz, der gelöst werden muss. Zur Stabilisierung des Geschäftsbetriebes ist es für diese Betriebe essenziell, dass öffentliche Verwaltungen wieder vollumfänglich funktionieren und in der Bearbeitung von etwa Genehmigungen, Planungsverfahren oder Abnahmeprozessen zügig und als Partner agieren. Die Digitalisierung der Verwaltung muss gerade jetzt angegangen und umgesetzt werden, hier liegt noch viel Potenzial für Beschleunigung und Vereinfachung.

Die Behörden müssen aber nicht nur dafür sorgen, dass Genehmigungsverfahren wieder schneller abgewickelt werden können. Entscheidend für die Handwerksbetriebe ist auch, dass sie die Ausschreibungsverfahren wieder zum Laufen bringen. Noch hat sich die Auftragslage aus dem Privatbereich nicht gänzlich erholt. Umsatzeinbußen haben auch die Investitionsbereitschaft von Industrie, Handel und Gastronomie geschmälert. Gerade im Bau- und Ausbaubereich sind unsere Betriebe deswegen auf Aufträge der öffentlichen Hand angewiesen. So ist es gut, wenn zwar viele Kommunen die Sommerferien nutzen, um etwa ihre Schulen oder öffentlichen Einrichtungen wieder auf Vordermann zu bringen. Sollten jedoch in den nächsten Monaten solche Aufträge abreißen oder bestehende Aufträge gar storniert werden, wäre das für unsere Bau- und Ausbaubetriebe fatal und würde absehbar eine Konjunkturdelle in diesem Bereich nach sich ziehen. Das gilt es zu verhindern.

Die kommunalen Behörden müssen trotz angespannter Kassenlagen wegen der geringeren Steuereinnahmen Wege finden, ihrer Vorbildwirkung gerecht zu werden und weiterhin Aufträge vergeben. Sie müssen den Spielraum, der ihnen über die umfängliche finanzielle Unterstützung durch das Konjunkturpaket verschafft wird, schnellstmöglich nutzen. Wichtig ist, dass sie sich ihre Scharnier- und Partnerfunktion für unsere Betriebe bewusst machen. Auch angesichts einer möglichen zweiten Corona-Welle müssen sie ihre Arbeitsprozesse jetzt ordnen und zum Laufen bringen, damit unsere Betriebe so viele Aufträge wie möglich abarbeiten können und nicht noch mehr Geschäft verloren geht, das nicht mehr aufgeholt werden kann. Die öffentliche Hand muss ihre personellen Ressourcen stabilisieren, um auf neuerliche Einschränkungen vorbereitet und dann auch arbeitsfähig zu sein. Dringend müssen dafür Verwaltungsprozesse digitalisiert und dadurch vereinfacht werden.“