13.08.2020

„Wir müssen der beruflichen Bildung den ihr gebührenden Stellenwert verschaffen“

Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer im Gespräch in seinem Büro im Haus des Deutschen Handwerks
Foto: ZDH/Boris Trenkel

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer nimmt Stellung gegenüber Birgit Marschall von der Rheinischen Post zur Bedeutung der beruflichen Ausbildung für Wirtschaft und Gesellschaft und zu Äußerungen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zu Entlastungsvorschlägen des Handwerks für Ausbildungsbetriebe und Azubis:

 „Die von Destatis veröffentlichten Zahlen zur Lage bei der beruflichen Ausbildung verdeutlichen einmal mehr, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen, junge Menschen für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Das gilt gerade auch für das Handwerk. Wenn wir als Wirtschaft und Gesellschaft sicherstellen wollen, dass auch in Zukunft noch ausreichend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen, müssen wir alles dafür tun, der beruflichen Bildung den ihr gebührenden Stellenwert zu verschaffen. Schon im Jahr 2019 war die Anzahl abgeschlossener Ausbildungsverträge niedriger als im Vorjahr. Daraus darf keine Trend werden. Dem müssen wir uns entschieden entgegenstemmen, umso mehr in der gegenwärtigen Situation, in der die Umstände coronabedingt schwieriger geworden sind.
 
Dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ausgerechnet in einer solchen Situation - wie zuletzt in einem Interview mit dem ARD-Morgenmagazin - die berechtigte Forderung des Handwerks, Azubis und Ausbildungsbetriebe bei den Sozialabgaben zu entlasten und Azubis und Studenten hier gleich zu behandeln, lapidar als „Wünsch-Dir-was" -Fantasien abtut, für die kein Geld da ist, das ist weit entfernt von einer Politik für Bildungsgerechtigkeit. Was für Studenten sozialpolitisch Grundlage ist, muss auch für die Absolventen der beruflichen Bildung möglich sein und gelten.
 
Ohne Frage sind die beschlossenen und vom Bundesarbeitsminister gepriesenen Hilfen für ausbildende Betriebe ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber ehrlicherweise wird damit nur Betrieben geholfen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind und die ums Überleben kämpfen. Doch langfristig wird Fachkräftesicherung nur dann gelingen, wenn Ausbildungsbetriebe und Azubis grundsätzlich etwa durch die vorgeschlagenen Entlastungen unterstützt werden. 
 
Vor dem Hintergrund der Rente mit 63 Rente, Mütterrente II , Mütterrente III , Grundrente ohne Gegenfinanzierung ist der jungen Generation nicht zu erklären, warum für sie das Geld fehlt. Es ist eine Frage der Generationengerechtigkeit, die berufliche Ausbildung zu fördern. Ich erwarte, dass sich der Arbeitsminister nicht nur um die Seniorengeneration kümmert, sondern sich auch für  die  Generation einsetzt , die in Zukunft all diese Kosten zu tragen hat und die unser Land am Laufen halten soll. Und das sind in erster Linie die  jungen Leute und hier besonders auch die beruflich Qualifizierten, unsere Facharbeiter, Meister und Unternehmer. Sie alle zu unterstützen und ganz besonders im Blick zu haben, das ist kein „Wünsch-Dir-was“, sondern das ist Politik mit Weitblick und das Gebot der Stunde!“

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