07.10.2020

"Handwerks-Geschäftstätigkeit basiert seit jeher auf Selbstverständnis des 'Verantwortungseigentums'"

Portraitfoto von Holger Schwannecke vor heller Strukturleinwand im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin
Foto: ZDH/Boris Trenkel

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke äußert sich gegenüber Laurin Meyer von Die Welt zur Initiative für eine neue Unternehmensrechtsform: die sogenannte Verantwortungseigentumsgesellschaft.

„Im Handwerk sehen wir keine Notwendigkeit einer solchen neuen, eigenständigen Rechtsform. Stattdessen sollte der erprobte und bestehende Rechtsrahmen für Stiftungen fortentwickelt werden. Bei der derzeitigen Novellierung und Modernisierung des Stiftungsrechts könnten praxistaugliche Verbesserungen eingebracht, Bürokratieaufwand abgebaut und bisherige Schwierigkeiten der Stiftungsmodelle beseitigt werden. Die vorgeschlagene neue Rechtsform des Verantwortungseigentums wirft jedenfalls eine Vielzahl ungelöster Fragen auf: etwa die Frage nach der Finanzierung, Behandlung und Kontrolle von verdeckten Gewinnausschüttungen und gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen, die Frage nach einer mit dem Stiftungsrecht vergleichbaren – aber fehlenden – Erbersatzsteuer und insbesondere aber auch Haftungsfragen sowie die Frage einer ausreichenden Aufsicht.

Die Geschäftstätigkeit im Handwerk ist seit jeher vom Prinzip eines „Verantwortungseigentums“ getragen, ohne dass es hierfür einer eigenen Rechtsform bedürfte. Betriebe und Unternehmen im Handwerk denken nicht in Quartalen, sondern ihre Geschäftstätigkeit ist auf Generationen angelegt, ist nachhaltig und verantwortungsbewusst. In den oft über viele Generationen hinweg inhabergeführten Unternehmen des Handwerks gehört es zu den Kernelementen gelebten Selbstverständnisses, Verantwortung dafür zu übernehmen, den Betrieb und seine Arbeits- wie Ausbildungsplätze zu erhalten und zu stärken, ressourcenschonend zu arbeiten und sich für das gesellschaftliche Gefüge vor Ort zu engagieren und einzusetzen.“