Mit Humor zum Erfolg

Nur der Brexit kann den Siegeszug deutscher Wurst in Großbritannien noch aufhalten. Christoph füllt die Würste daheim in Deutschland mit Liebe und Leidenschaft, Azadeh und Florian verkaufen sie in ihren drei Filialen in London. Dabei zeigen sie Humor: Über die Marke „Herman ze German“ können auch die Briten lachen. Und dann geht's an die Wurst.

Foto: Greg Funnel
Tausend meisterlich hergestellte Würste fahren aus dem Südbadischen fahren jede Woche an die Themse. Dort sind sie erfolgreiche kulinarische Botschafter für "made in Germany".

Florian Frey:
So ist das mit Vorurteilen. Als Matthew Norman, der Restaurant-Tester des „Telegraph“, zum ersten Mal zu uns kam, musste er als Allererstes eine alte Weisheit seiner Großmutter über den Haufen werfen. Die hatte immer gesagt: „Der deutsche Sinn für Humor ist nichts, worüber man lachen könnte.“ Als Norman aber unseren Wahlspruch las, wusste er sofort, warum der Freund, den er mitgebracht hatte, Tränen lachte. In allen unseren Restaurants leuchtet in Neon und Pink unser Versprechen: „Our wurst is ze best!“

Dass  Deutsche kein Ti-Äitsch sprechen können, wussten  die  Briten schon immer. Dass wir aber die Weltmeister im Wurstmachen sind, haben zumindest die Londoner gelernt, seit wir 2010 unser erstes „Herman ze German“ eröffneten, mitten in der Hauptstadt des Königreichs. Meine Freundin Azadeh und ich haben historisch Einmaliges geschafft: Wir haben die Insel erobert. Mit Wurst. Aus dem Schwarzwald. Denn dort, das weiß ich, seit ich als kleiner Kerl meine Mutter zum Einkaufen begleitete, macht Metzger Hug die allerbeste.

Christoph Hug:
Gute Wurst lebt nicht nur von der Handwerkskunst, mit der sie gemacht wird. Sie braucht außerdem auch – Leidenschaft. Weil sich in unserer Familie schon seit 65 Jahren beides paart, schmecken die Bockwurst, die Bratwurst und das Chilli-Beef bei „Herman ze German“ eben nicht bloß nach dem ausgewählten Fleisch und den ebenso speziellen wie edlen Gewürzen darin. Ich behaupte, in unserer Wurst schmeckt man auch die Hingabe, nein: sogar die Liebe, mit der wir sie machen.

Als Florian uns fragte, ob wir nicht Würste für London liefern wollten, war das einerseits ein großes Kompliment. Und andererseits eine vielleicht noch größere Herausforderung. Das rein Geschäftliche hatten wir schnell geregelt. Handwerker machen Verträge ja auch in einer Welt von Konzernen und Monobetrieben, von Preisdiktat und seitenlangen Verträgen gerne noch ganz klassisch: per Freundschaft und Handschlag. Ich bin da mit Wonne altmodisch.

Florian:
Wir wussten ja genau, warum wir Hug-Würste wollten. Als Azadeh und ich in Brighton studierten, haben wir uns erst die Augen wund gesucht in Metzgereien und im Supermarkt nach deutscher Wurst. Und dann haben wir regelmäßig Rucksäcke voll davon über den Kanal geschleppt. Unsere We-are-back-Grillpartys waren berühmt. Auch, weil viele unserer Freunde bei uns zum ersten Mal Currywurst gegessen haben. Logischerweise gab es auch keine Currysauce. Also haben wir ein Jahr lang gemixt und gekocht und versucht und verworfen und weitergetüftelt, bis wir die perfekte Mischung hatten. Und genauso hat das dann Christoph mit den Würsten gemacht.

Christoph:
Baahh  –  was  für  eine  Herausforderung! Wurst für London, das ahnte ich gleich, muss genauso sein wie für den Schwarzwald – und auch wieder nicht. So eine Metropole tickt ja ganz anders, Leute aus der ganzen Welt leben dort, Kulturen und Religionen kommen zusammen – und allen sollte die Wurst ja schmecken. Wir haben also unsere Familienrezepte genommen – und los! Würzen, probieren, verändern, immer und immer wieder. Bis wir gemeinsam überzeugt waren: Das ist es! Wir brauchen nur drei Sorten: die Bockwurst für alle, die es „typisch deutsch“ wollen, die Bratwurst mit Kalbfleisch für die Liebhaber des etwas Edleren und die Chilli-Beef als Kontrastprogramm: rot und kräftig, fast ein bisschen brachial.

Florian:
Und ab ins Brötchen! Weil die Engländer ihre Chips so lieben, die Pommes also, gibt es die Wurst außerdem noch damit: als Curry, in Stücke geschnitten. 60 Tonnen Wurst jährlich importieren wir – noch ganz problemlos.

Christoph:
Dahinter steckt aber auch eine exakte Logistik. Schließlich muss die Wurst nicht bloß unter dem Kanal durch, sondern vorher durch ganz Deutschland. Zwei Paletten, jeden Mittwoch startet hier der Kühl-Lkw – pünktlich samstags gibt’s in London alles noch frischer als sonst...

Florian:
Noch... Da sagst du was...

Christoph:
Als bekennender Europäer bin ich natürlich nicht begeistert vom Brexit. Schwer nachvollziehbar, diese Entscheidung...

Florian:
...und nicht gerade perfekt für unsere Erweiterungspläne auf der Insel. Dabei würden wir gerne noch viel mehr Briten mit „german wurst“ überraschen. Matthew Norman, der Reporter vom „Telegraph“, zitierte damals drei Menschen vom Film, die neben ihm saßen. „Praised to the skies“ stand da, also „in den Himmel gehoben“.

Christoph:
Wer liest nicht gern, dass er himmlische Wurst macht?

Foto: Greg Funnel
Die Hipster Hauptstadt London liebt Azadek und Florian sowie Christophs Würste, die er daheim in Deutschland mit Liebe und Leidenschaft herstellt.
Foto: Greg Funnel
Über die Marke "Herman ze German" können auch die Briten lachen.
Foto: Christoph Hug
Mit Liebe und Leidenschaft füllt Christoph die Würste daheim im Schwarzwald.

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