Selbstwert & Diversität: Azubi der Herzen

Ihr Name ist Programm: @missgoodvibes_official heißt Antonia Ramb auf Instagram und ihre damit
gegebene Gute-Laune-Garantie ist spürbar, wenn sie dort ihre rund 17.000 Follower zum Thema Beauty und Pflege berät.

Foto: www.handwerk.de
Antonia Ramb macht in Hannover eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Für den Salon betreut sie auch die Social-Media-Kanäle.

Die 21-Jährige aus Syke ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Kosmetikerin in der Kosmetikpraxis Thronicke in Hannover. Sie engagiert sich im Jugendbeirat des Handwerks und schreibt als Azubi-Reporterin für die Handwerkskammer Hannover. Was sie am Handwerk schätzt? "Der direkte Austausch mit den Kunden ist mir sehr wichtig. Es bedeutet mir viel, wenn sie von Termin zu Termin selbstbewusster und glücklicher werden. Und ich mag es, abends zufrieden auf das Ergebnis meiner Arbeit schauen zu können."

Instagram: Erfolg auf ganzer Linie


Als leidenschaftliche Beauty-Bloggerin konnte sie auch ihre Arbeitgeberin davon überzeugen, das  soziale Netzwerk Instagram für den Betrieb zu nutzen. "Meine Chefin ist dem gegenüber sehr offen und lässt sich gerne von mir beraten. So lernen wir gegenseitig voneinander", lacht Antonia. Seither werden auch jüngere Menschen auf das Kosmetikstudio in der Hannoveraner Innenstadt aufmerksam.

Als Antonia via Instagram anprangert, dass die großen Make-up-Hersteller in Deutschland kaum Produkte für Women of color entwickeln, stößt sie eine wichtige Diskussion im Netz an, in der es nicht nur um Kosmetik, sondern um Diversität und Repräsentation geht. Andere Bloggerinnen und Blogger werden auf sie aufmerksam und missgoodvibes wird immer populärer. Die Beautylinie Babor spricht Antonia an und möchte gemeinsam mit ihr die Pflegeserie Skinbiotic entwickeln, speziell für die Bedürfnisse jüngerer Haut. Die nennt Antonia heute stolz "ihr Baby". Die junge Frau ist das Gesicht der Linie, vermarktet sie über Instagram und verwendet die Produkte in ihren Behandlungen. "Das tue ich, weil ich zu 100 Prozent hinter den Produkten stehe. Es kommen viele Hersteller auf mich zu, aber das ist eine exklusive Partnerschaft. Ich möchte keine Influencerin sein, die alles Mögliche bewirbt. Das wäre wenig glaubwürdig."

Hobby zum Beruf machen


Ursprünglich wollte Antonia nach dem Abitur den Beruf der Veranstaltungskauffrau erlernen. Sie merkte aber schnell, dass sie in der Welt von Beauty, Make-up und Pflege besser aufgehoben ist. Nach einem Jahr bricht sie die begonnene Ausbildung ab: "In meinem alten Job saß ich zum Teil acht Stunden lang im Büro und konnte nach Feierabend nicht mal mehr sagen, was ich eigentlich den ganzen Tag gemacht habe. Heute schätze ich an meinem Beruf, dass ich abends Ergebnisse sehe." Im Kosmetikstudio kann sie ihr Hobby zum Beruf machen und ihre Leidenschaft mit anderen via Instagram teilen.

Antonia ist es auch ein Anliegen, die Wahrnehmung ihres Berufs in der Öffentlichkeit zu verändern. "Kosmetikerin klingt für die meisten Menschen wahnsinnig oberflächlich – nach tonnenweise Make-up im Gesicht und langen Fingernägeln. Das ist ein gängiges Vorurteil. Dabei geht es mir aus handwerklicher Perspektive um die nachhaltige Verbesserung der Haut meiner Kunden statt ums Zuspachteln. Und aus persönlicher Perspektive um mehr Selbstbewusstsein und Selbstliebe aufseiten meiner Kundinnen und Kunden."

"Der direkte Austausch mit den Kunden ist mir sehr wichtig."


Antonia behandelt nicht nur – wie häufig angenommen – betuchte Damen und kämpft gegen deren Fältchen, sondern kümmert sich auch um Krebspatienten, die gerade eine Chemotherapie hinter sich haben, oder um Menschen, die unter Narben leiden, weil sie einmal Verbrennungen oder andere Verletzungen erlitten haben.  "Vielen unserer Kunden geben wir ein Stück Lebensqualität zurück", so Antonia. Auch jüngeren Mädchen möchte sie mehr Selbstvertrauen schenken: "Natürlich berate ich auf meinem Kanal, wie man sich geschickt schminken kann, aber in erster Linie ist es mir wichtig, dass die Hautgesundheit der Frauen sich verbessert und dass sie sich auch ohne Make-up auf die Straße trauen."

Im Februar steht Antonias Zwischenprüfung an. Was danach kommt? "Erst mal mache ich meine Ausbildung zu Ende. Ich möchte sehr gerne in dem Beruf bleiben und weiterhin meine Kundinnen glücklich machen."

Foto: www.handwerk.de
Kosmetik ist sehr viel mehr als Schminken. Das weiß Antonia Ramb und hat sich deshalb für eine Ausbildung zur Kosmetikerin entschieden. Neben Massagen und Make-up geht es auch darum, über Ernährung und die allgemeine Gesundheit zu informieren.
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Und noch mehr: Neben ihrer Ausbildung engagiert sie sich beim Jugendbeirat des ZDH. Als Azubi-Reporterin ist sie außerdem für die Nachwuchsseite der Niedersächsischen Handwerkskammern "Handwerk. Deine Chance" im Einsatz.
Foto: www.handwerk.de
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Dieses Interview erschien zuerst im ZDH-Jahrbuch 2018/19.


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