Als Betriebswirt zum Erfolg – mit Holzhandtaschen

Mit 22 Jahren hatte der gelernte Schreiner Sebastian Sturm die Idee zu flexiblem Holz – heute verkauft er seine Holzhandtaschen, Holzgeldbörsen, Schreibtischunterlagen und weitere Holz-Accessoires in die ganze Welt.

Foto: HWK Schwaben, Sascha Schneider

USA, Indien, China – Sebastian Sturm verkauft seine Produkte in die ganze Welt. China ist dabei der größte Absatzmarkt. Aufstrebende Chinesinnen und Chinesen reißen ihm seine Holzhandtaschen, Holzgeldbörsen oder Handyhüllen aus Holz geradezu aus der Hand. Es ist die Erfolgsgeschichte einer kreativen Idee aus dem Handwerk, die mit dem Betriebswirtstudium der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) perfekt gemacht wurde.

Wenn der gelernte Schreiner an den Anfang seines Unternehmens zurückdenkt, ist er doppelt froh, dass es heute so gut läuft. "Ich hatte wenig Startkapital und brauchte ein Darlehen für den Aufbau der Firma. Und wenn man mit meinen Voraussetzungen und dieser ausgefallenen Idee kommt, sagt natürlich nicht jede Bank gleich 'juhu'", sagt der heute 26-Jährige.

Gründung 2015


Die Idee zur Produktion von flexiblem Holz hat Sebastian Sturm bereits mit 22. Nur war ihm damals noch nicht klar, wo es genau zum Einsatz kommen sollte. Als er dann aber bei einem Festival in Südtirol durch Zufall eine Bekannte aus Illerbachen bei Memmingen trifft und mit ihr ins Gespräch über seine Idee kommt, wird es klar: Holzhandtaschen sollen es sein.

Zwischen der Gründung der Firma im Juni 2015 und dem Verkauf der ersten Holzhandtasche im Dezember 2016 liegen anderthalb Jahre. Sturm: "Ich war vor allem mit der Produktentwicklung beschäftigt, musste erst verschiedene Muster anfertigen, mehr Modelle entwerfen. Darüber hinaus musste ich mich um ein gutes Marketing, den Aufbau eines Onlineshops und auch Fotoshootings für die Webseite kümmern. Das war ganz schön viel Stress."

Betriebswirt als Erfolgsgarant


Außerdem absolviert Sturm parallel zum Aufbau seiner Firma das Studium zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung bei der HWK Schwaben, für ihn ein entscheidender Faktor auf dem Weg zum Erfolg: "Vor allem was rechtliche Fragen oder steuerliche Aspekte angeht, hat mich das Betriebswirtstudium sehr gut gewappnet. Auch das Thema Marketing war sehr wichtig für mich. Und meine Abschlussarbeit habe ich zum Thema Markteinführung geschrieben", sagt der Jungunternehmer.

Als großen Vorteil sieht es Sebastian Sturm, dass die Dozenten beim Betriebswirtstudium der HWK allesamt aus der Praxis komen: "Die wissen halt Bescheid und können dir sagen, dass etwas, das sich theoretisch toll anhört, in der Praxis einfach nur Quatsch ist." Vor allem auch der Austausch mit seinen Mitstudenten war für Sturm interessant: "Die Stimmung im Kurs war sehr gut. Jeder war aus einem anderen Bereich. Wir haben uns viel unterhalten über die Abläufe in den verschiedenen Firmen und über Fehler, die passieren können. Das bringt einen selber einfach weiter."

Karriere im Schnellschritt


Der Karriereweg, den Sebastian Sturm bislang hingelegt hat, ist ziemlich steil: Drei Jahre Ausbildung zum Schreiner, zwei Jahre als Geselle, zwei Jahre Studium zum Holztechniker in Rosenheim, wo er das Rüstzeug für die praktische Umsetzung seiner Holzhandtaschen mitnimmt, die allesamt filigrane Meisterwerke sind.

Das Holz, das für die Handtaschen verwendet wird, ist 0,45 Millimeter dünn. Mit speziellen dünnen Gewebearten, die verhindern, dass die Holzfurniere brechen können, ergibt sich dann ein Millimeter Dicke. Produziert wird in Illerbachen bei Memmingen, in einer der letzten Holzmanufakturen in Deutschland, und an Standorten in Italien, Tschechien, Bosnien und der Türkei. Verkauft werden die Produkte zum einen über Groß- und Einzelhändler, zum anderen online. Nur ein Kunde ruft Sebastian Sturm persönlich an, wenn er etwas bestellen will: Einer seiner ehemaligen Dozenten aus dem Betriebswirtstudium.

Foto: HWK Schwaben, Sascha Schneider
Mit 22 Jahren hatte Sebastian Sturm die Idee zu flexiblem Holz. Das Holzfurnier selbst ist 0,45 Millimeter dünn. Mit einer speziellen Beschichtung, die verhindert, dass das Holz bricht, kommt es auf einen Millimeter Dicke.
Foto: HWK Schwaben, Sascha Schneider
Die Handtaschen aus Holz sowie Geldbörsen und Schreibtischunterlagen werden in die ganze Welt verkauft. In China sind die ausgefallenen Accessoires am beliebtesten.
Foto: HWK Schwaben, Sascha Schneider
Ein Entwurf für eine neue Holzhandtasche. Produziert wird in Illerbachen bei Memmingen sowie in Italien, Tschechien, Bosnien und der Türkei.
Foto: HWK Schwaben, Sascha Schneider
 

Themen, die uns bewegen: