08.08.2019

Wollseifer zum Azubi-Mangel: Mehr als 18.000 Geflüchtete in der Ausbildung

Foto: ZDH/Boris Trenkel

Gegenüber DIE WELT  betont ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer die Notwendigkeit von Ausbildung und Arbeit im Integrationsprozess:

„Der Integrationsprozess von Flüchtlingen über Ausbildung und Arbeit ist wichtig und gesellschaftlich geboten, seine Umsetzung bleibt aber komplex und erfordert von allen Beteiligten einen langen Atem. Denn es braucht Zeit, um etwa die mangelnden Sprach- und Fachkenntnisse auszugleichen. Ungeachtet dessen werden sich unsere Betriebe auch weiterhin engagieren - einerseits aus der humanitären Verantwortung heraus, andererseits um Flüchtlingen damit Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu verschaffen und auf diesem Weg dazu beizutragen, künftige Fachkräfte zu gewinnen – auch wenn das natürlich nur ein Mosaikstein sein kann, um die Fachkräftelücke zu schließen.“

„Wir haben jetzt mehr als 18.000 Geflüchtete aus den acht häufigsten Asylzugangsländern in der Ausbildung, das sind um die 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Von allen Flüchtlingen, die derzeit eine Ausbildung machen, lernt jeder Zweite im Handwerk – das ist überproportional im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsbereichen. Wir übernehmen diese Integrationsleistung, weil wir das können, doch der Aufwand ist schon enorm – und liegt deutlich höher als bei deutschstämmigen Azubis.“
 
„Aus eigener Erfahrung und auch von dem, was ich höre, weiß ich, dass Flüchtlinge in den Handwerksbetrieben oft sehr beliebt sind, sich enorm engagieren und hoch motiviert sind. Viele sind sich bewusst, dass das eine einmalige Chance ist, die man ergreifen muss. Das sind dann genau die Facharbeiter, die wir brauchen, die gut integriert sind und Deutsch sprechen. Auch meine persönliche Erfahrung mit Flüchtlingen ist sehr positiv.“

„In meinem Betrieb haben wir einen Iraner, der Schlimmes erlebt hat, und viele Monate sehr verschlossen war. Da brauchen Sie Geduld und Zeit und persönliche Zuwendung. Wenn Sie all das in die Ausbildung eines Flüchtlings stecken, dann wollen Sie auch, dass er bleibt und sich das auszahlt – menschlich wie für den Betrieb. Wir brauchen diese motivierten, jungen Leute, die schließlich nach unseren Standards ausgebildet wurden.“

„Wir müssen natürlich zunächst alle inländischen Potenziale nutzen – Frauen, Studienaussteiger, Langzeitarbeitslose, Migranten in zweiter und dritter Generation etc. Zum anderen müssen wir aber als weiteren Baustein auch gezielt Fachkräfte von außen anwerben. Um den Fachkräftebedarf zu decken, ist eine gesteuerte, am Arbeitsmarkt orientierte Einwanderung unerlässlich.“

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