16.08.2019

Wollseifer zur Ausbildungsqualität im Handwerk

Foto: ZDH/Boris Trenkel

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung betont ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer die Wichtigkeit der Qualität der betrieblichen Ausbildung für den Erfolg bei der Fachkräftesicherung. Hier finden Sie die vollständigen Zitate für den am 16. August 2019 erschienenen Beitrag:

„Die Qualität der betrieblichen Ausbildung ist ganz entscheidend für die Zukunftssicherung des Handwerks. Vom Erfolg und der Qualität der Ausbildung hängt es maßgeblich ab, ob die Betriebe in Zeiten, in denen der Fachkräftebedarf noch weiter zunehmen wird, genügend junge Auszubildende finden und diese auch langfristig an sich binden können.“

„Das Handwerk ist der stärkste Ausbilder. 28 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland werden im Handwerk zu Fachkräften qualifiziert. In diesem Jahr haben wir schon über 50.000 Neuverträge abgeschlossen. Was unsere Betriebe hier jeden Tag leisten, ist gewaltig.“

„Die fertig ausgebildeten jungen Menschen haben auch außerhalb des Handwerks allerbeste Chancen und werden mit Handkuss genommen: bei der Feuerwehr, bei der Polizei, in der Industrie, bei der Bundeswehr. Von der Ausbildungsleistung des Handwerks profitieren also viele. Und dafür braucht es Anerkennung und Entlastung. Denn wer ausbildet, der übernimmt nicht nur soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung. Er hat auch hohe Kosten. Dieses freiwillige und hohe Ausbildungsengagement des Handwerks sollte von der Gesellschaft und Politik entsprechend anerkannt und wertgeschätzt werden. Deswegen fordern wir eine gezielte Entlastungsoffensive für unsere Ausbildungsbetriebe.“

"Handwerk lag und liegt die Ausbildung junger Menschen am Herzen, sie ist gelebter Ausdruck des handwerklichen Selbstverständnisses, meisterliches Können und Wissen von einer Generation an die nächste weiterzugeben. Wir im Handwerk denken generationenübergreifend und tun selbst etwas dafür, dass auch künftig qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Wir verlassen uns nicht darauf, dass schon andere diesen Ausbildungsjob erledigen. Unsere Betriebe, und hier besonders die kleineren, engagieren sich lieber selbst in der betrieblichen Ausbildung anstatt ihren Personalbedarf über Fachhochschul- oder Universitätsabsolventen zu decken.“

„Es ist absolut beachtlich, wie sich gerade kleinere Betriebe des Handwerks in der betrieblichen Ausbildung engagieren. Die betriebliche Ausbildung in Deutschland wird maßgeblich von Klein- und Kleinstbetrieben getragen.  Man muss sich das einmal vor Augen führen: Die Mehrheit dieser Betriebe hat weniger als fünf Mitarbeiter und ist bereit, Zeit und für jeden Auszubildenden über den Verlauf seiner Ausbildung im Schnitt rund 15.000 Euro zu investieren. Diese Bildungsinvestitionen tätigen Betriebe, obwohl Azubis wegen ihrer Lernphasen in den Berufsbildungszentren oder den Berufsschulen natürlich noch nicht die volle Leistung erbringen.“

„Die kleinen Betriebe des Handwerks haben in der Regel keine Personal- oder Ausbildungsabteilung – die Ausbildung übernimmt hier der Meister oder Betriebsinhaber selbst . Dass sich die Führungskräfte selbst um ihren Nachwuchs kümmern und ihr Wissen an diesen weitergeben, das ist gerade im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen keineswegs selbstverständlich und zeigt einmal mehr, dass das Handwerk eben nicht nur ein Wirtschafts-, sondern ein Gesellschaftsbereich ist.“

„Ganz besonders müssen wir die kleinen Betriebe des Handwerks in den ländlichen und strukturschwachen Regionen in ihrer Ausbildungskultur stärken. Sie sind regional verankert und sichern dort maßgeblich die Versorgungsstrukturen. Durch ihr Ausbildungsengagement tragen sie in diesen Regionen zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilität bei und sorgen dafür, dass Jugendliche dort für sich eine Zukunftsperspektive als Lebensort abseits der Städte sehen. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs im Handwerk und das Ausbildungsengagement der handwerklichen Betriebe haben somit eine gesellschaftspolitische Relevanz.“

„Zu einer guten Ausbildung gehört neben einer wertschätzenden Kommunikation und der Vermittlung gegenseitiger Achtung auch die Verlässlichkeit von Vereinbarungen. Junge Menschen müssen in ihren Ausbildern nahbare und kompetente Ansprechpartner finden, die sie begleiten, die sie in ihrer Eigenverantwortung fördern und ihnen Perspektiven aufzeigen. Die Ausbilder müssen das Ausbildungsverhältnis auch unterstützend stabilisieren können und mit den Überbetrieblichen Bildungsstätten und Berufsschulen intensiv zusammen arbeiten. Die Handwerksorganisation steht den Betrieben dafür mit einem vielfältigen Beratungs- und Schulungsprogramm zur Seite.“

„Eine erfolgreiche betriebliche Ausbildung ist gleichwohl das Ergebnis des Zusammenwirkens vieler Akteure und Ebenen. Dazu gehören individuelle Voraussetzungen und das starke gemeinsame Engagement aller Ausbildungsakteure genauso wie die Unterstützung durch das soziale Umfeld und seitens der Politik. Gemeinsam müssen wir der beruflichen Ausbildung wieder zu mehr Wertschätzung und gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen.“

„Die Politik muss wieder stärkere bildungspolitische Impulse in Richtung betrieblicher Ausbildung setzen. Als mittelständisch geprägter Wirtschaftsstandort können wir uns nicht leisten, junge Menschen ausschließlich in Richtung Abitur und Studium zu lenken. Sie müssen rechtzeitig davon erfahren, dass sie mit einer beruflichen Ausbildung sichere und gleichwertige Zukunftsperspektiven erwerben. Wir fordern von der Politik deswegen seit Jahren eine umfassende und ergebnisoffene Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen, auch an allen Gymnasien.“

„Ausbildungsunterstützende Angebote und Programme, wie das JOBSTARTERPlus-Programm, die ehrenamtliche Ausbildungsbegleitung der Initiative „VERA“ zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen und Stärkung von Jugendlichen in der Berufsausbildung oder die regionalen Qualitätsberater an den Handwerkskammern zur Beratung von Klein- und Kleinstbetrieben müssen dringend gestärkt, aufgestockt oder verstetigt werden. Ein qualitativ hochwertiges Angebot an ausbildungsbegleitenden Hilfen und Assistierter Ausbildung sowie ein Angebot an berufsschulischem Fachunterricht müssen zudem auch in strukturschwachen ländlichen Regionen für junge Menschen gut erreichbar sein.“

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