21.06.2019

"Wenn das Handwerk für Tradition steht, dann scheint mir: Tradition ist Trend."

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"Wie modern ist Tradition?" fragt das +3 Magazin im neuen Heft, das als Beilage der Süddeutschen Zeitung erscheint. ZDH-Präsident Wollseifer zeigt auf, wie sich das Handwerk trotz aller Traditionsverbundenheit wandelt.

„Viele Menschen verbinden mit Handwerk im besten Sinne Tradition. Sie denken an Frauen und Männer, die mit ihren Händen aus Holz, Stein, Stoff und Mehl etwas erschaffen. Das hat etwas Ursprüngliches und Althergebrachtes, eben Traditionelles.  

Wenn also das Handwerk für Tradition steht, dann scheint mir: Tradition ist Trend. Die Sehnsucht der Menschen nach ihren Wurzeln, nach Identität, Individualität und Originalität drückt sich im Do-it-yourself-Hype aus. Sie nähen Kleider, schleifen Kommoden ab und streichen Wände. Oft mithilfe von Youtube-Tutorials. Denn: Woher sollen sie es können, wenn es an Schulen keinen Werkunterricht mehr gibt? Und wenn Eltern nicht mehr mit ihren Kindern heimwerken?  

Bei aller Traditionsverbundenheit wandelt sich auch das Handwerk gewaltig. Technologischer Fortschritt und Digitalisierung prägen heute unsere Gewerke. Drohnen von Dachdeckern fliegen zur Schadensaufnahme über die Dächer. Roboter und CNC-Fräsen kommen in Tischlereien zum Einsatz. 3D-Scanner formen in Orthopädiewerkstätten passgenaue Gliedmaßen ab.  

Dabei passt sich das Handwerk nicht allein dem Fortschritt an, nein, es befördert ihn und macht ihn vielfach erst möglich. Es wird keine Energiewende und höhere Gebäudeeffizienz ohne Heizungs- und Klima-Installateure geben, kein Smart Home ohne Elektroniker und keine Mobilitätswende ohne Kfz-Mechatroniker. Tradition ist mehr als ein Relikt aus der Vergangenheit. Tradition schlägt die Brücke in die Zukunft.“