25.07.2018

Sechs junge Handwerker berichten, warum für sie der Meisterbrief wichtig ist

Foto: (oben von links) Jan Brügge, Melanie Franke und Eike-Lucas Manegold. (unten von links) Marcel Räthlein, Michael Hermann und Anne Leste-Matzen. (privat)


Jan Brügge, Bootsbauermeister aus Grödersby (Schleswig-Holstein)

"Wenn ich mit dem Boot ablege und losfahre, dann fühle ich mich frei. Ich bin mit dem Segeln groß geworden und schon früh war klar, dass ich auch beruflich etwas mit Booten machen möchte. Nach dem Abitur begann ich Nautik zu studieren, um später als Kapitän zur See zu fahren. Doch schnell merkte ich, dass ich lieber mit kleinen Booten arbeite. Ich entschied mich für eine Ausbildung im Bootsbauerhandwerk. Für mich war schon während meiner Ausbildung klar, dass ich nicht mein Leben lang als Geselle arbeiten möchte. Nach meiner Ausbildung habe ich deswegen auch den Meister gemacht, um mich selbstständig zu machen. Ich wollte aber auch die höchste Stufe in meinem Fach erreichen. Mit dem Meister fühle ich mich absolut gleichwertig zu früheren Klassenkameraden, die heute einen Bachelor- oder Master-Abschluss haben. Betrieblich ist der Meisterbrief ein wichtiges Gütesiegel, eine fachliche Auszeichnung, mit der wir uns von reinen Service-Dienstleistern abgrenzen können."


Melanie Franke, Gold- und Silberschmiedemeisterin und Metallbaumeisterin aus Schwalbach (Saarland)

"Die kreative Seite im Handwerk, genau das war es, was mich schon früh fasziniert hat. Da lag es für mich nahe, vor zehn Jahren eine Ausbildung zur Gold- und Silberschmiedemeisterin zu machen. Vor acht Jahren stellte sich die Frage, ob ich in den väterlichen Metallbaubetrieb einsteige. Ich entschied mich dafür und trat in unser Familienunternehmen in Teilzeit ein. Berufsbegleitend hängte ich eine Fortbildung zum Meister im Metallbauhandwerk bei der HWK des Saarlandes dran, um mich für die Führung des Unternehmens zu qualifizieren. Auch in unserem Betrieb kann ich kreativ sein, jetzt eben mit anderen Materialien. Die Dimension der Werkstoffe bei meiner jetzigen Arbeit ist eine andere, größere. Als Frau wurde ich in der Männerdomäne des Metallbauhandwerks von Anfang an akzeptiert. Auch Frauen, davon bin ich fest überzeugt, können in sogenannten Männerberufen bestehen. Aber zweifelsohne hilft mir dabei auch die, Meisterqualifikation. Dadurch genieße ich auf der Baustelle gleich eine Grundautorität. Der Meisterbrief steht für qualifizierte Ausbildung und solides Fachwissen, sowohl in der handwerklichen Praxis als auch auf der betriebswirtschaftlichen Seite. Das sind immer auch gute Voraussetzungen, um beim Kunden akzeptiert zu werden."


Eike-Lucas Manegold, Kraftfahrzeugtechnikmeister aus Falken (Thüringen)
"Mein Vater ist selbstständiger Maurer. Seit meiner Kindheit wurde ich an die Arbeit mit sehr viel Handgeschick herangeführt. Weil mich Autos schon immer interessierten, habe ich mich für eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugtechniker entschieden. Ich bin ehrgeizig und wissbegierig. Deshalb war es für mich selbstverständlich, die Meisterausbildung zu absolvieren. Ich hatte auch schon immer den Wunsch, Verantwortung zu übernehmen. Die Position des Handwerksmeisters ermöglicht mir das – gesellschaftlich wie beruflich. Der Meister steht in meinen Augen für Führung. Er muss nicht alles selbst wissen und können, aber er sollte immer einen Weg und die Mittel parat haben, um den Auftrag zu erfüllen und die Probleme zu lösen. Wissen heißt deshalb für mich, zu wissen, wo etwas steht. Noch wichtiger ist aber: Ich möchte glücklich in meinem Beruf sein, meine Ziele erreichen und meinen Träumen nachstreben. Mein großer Traum war es, für Porsche zu arbeiten. Das habe ich geschafft. Seit dem 1. Mai 2017 arbeite ich bei Manthey-Racing, einem Rennsportunternehmen, das viele Aufträge für Porsche Motorsport realisiert."


Marcel Räthlein, Installateur- und Heizungsbauermeister aus Walldorf (Thüringen)
"Als Geselle habe ich mir die Frage gestellt, wie meine berufliche Karriere aussehen soll. Will ich bis zur Rente als Geselle arbeiten oder möchte ich meine Kenntnisse nutzen, um eine Qualifikation zum Meister zu machen? Es war immer gut zu wissen, dass die Ausbildung nicht schon die Endstation ist. Nach zehn Jahren Berufserfahrung habe ich dann entschieden, mich zum Meister zu qualifizieren. Damit bin ich auch in der Lage, Projekte zu planen, die Umsetzung zu begleiten und auch betriebswirtschaftliche Themen zu bearbeiten. Ich kann Lehrlinge ausbilden und für das Fortbestehen des Handwerks meinen Beitrag leisten. Und ganz praktisch: Die Menschen schätzen den Meistertitel. Sie verbinden mit ihm Fachwissen, Qualität – sie vertrauen Meistern. Diese Wertschätzung ist wichtig, aber für mich ist das Wichtigste, selbstständig ein Handwerk ausüben zu können, Herausforderungen des Arbeitsalltags zu meistern und immer wieder neue Ziele zu haben. Das ist für mich die Erfüllung im Beruf."


Michael Hermann, Elektrotechnikmeister aus Heusweile (Saarland)
"Nach meiner Lehre als Elektrotechniker war für mich schnell klar, dass ich meinen Horizont über das Erlernte hinaus erweitern wollte. Zunächst hatte ich mich für acht Jahre bei der Bundeswehr bei den Fallschirmjägern verpflichtet. Die berufliche Weiterbildung am Ende der Bundeswehrzeit nutzte ich, um an der Saarländischen Meister- und Technikerschule meinen Elektrotechnikermeister in Vollzeitinnerhalb eines Jahres zu machen. Menschenführung, das Zusammenspiel zwischen Handwerk und Betriebswirtschaft haben mich früh fasziniert. Ich liebe es, komplexe Themen planerisch anzugehen und betrieblich umzusetzen. In meinem heutigen Betrieb Wahlen & Schabbach im saarländischen Weiskirchen kann ich das als Kalkulator realisieren. Wir arbeiten vor allem in großen Projekten, wo mehrere Gewerke zusammenkommen und koordiniert werden müssen. Und wenn man als Meister mit dem Kunden spricht, wird man gleich als kompetenter Gesprächspartner akzeptiert. Die Meisterausbildung hat mir das Rüstzeug mitgegeben, um die technologische Entwicklung in der Elektrotechnik mitsamt der zunehmenden Elektronisierung und Digitalisierung zu erfassen. Kurz, die Meisterausbildung ist eine Investition fürs Leben. Es hat sich gelohnt."


Anne Leste-Matzen, Fotografenmeisterin aus Stafstedt (Schleswig-Holstein)
"Seitdem das Fotografenhandwerk zulassungsfrei geworden ist, ist die Anzahl der Fotografen immens gestiegen, und jeder kann sich Fotograf nennen. Der Markt durchmischt sich neu, und da muss man um seine Daseinsberechtigung ringen. Doch gerade in dieser Zeit erhält die Ausbildung und besonders der Meistertitel in meinem Gewerk eine neue Aufmerksamkeit. Bei mir wurde der Meistertitel ungeahnt zum USP (Unique Selling Point), also zum entscheidenden Auftrags- und Verkaufsargument. Es gibt einige Kunden, die mich nur aufgrund des Titels gebucht haben, weil sie darauf vertrauen, dass ich mein Handwerk beherrsche. Der Meistertitel ist für diese Kunden ganz offensichtlich ein Güte- und Qualitätssiegel. Ich würde auch in meinem Gewerk weiterhin empfehlen, den Meister zu machen. Die Ausbildung bringt in vielerlei Hinsicht neue Erkenntnisse und erleichtert den Einstieg in die Selbstständigkeit."