23.06.2017

Realistisch bleiben bei Fahrverboten in Großstädten

Das Handwerk wäre von einem Dieselverbot besonders betroffen. Zum Fuhrpark vieler Handwerksbetriebe gehören häufig Dieselfahrzeuge. Zudem pendeln Handwerker fast täglich in die Innenstädte, weil dort viele ihrer Kunden sind. Diese Mobilität gehört zum Geschäftsmodell von Handwerksbetrieben. Wenn Dieselfahrzeuge aus der City verbannt werden: Wie sollen dann unsere Handwerker in den Innenstädten noch Dienstleistungen erbringen und Baustellen anfahren? Was die Fuhrparks unserer Betriebe betrifft: Noch bis Ende 2015, teils bis 2016, wurden in den für das Handwerkrelevanten Fahrzeuggruppen nur Dieselfahrzeuge der Norm Euro 5 angeboten. Der Großteil des Nutzfahrzeugbestands im Handwerk gehört zur Gewichtsklasse bis 3,5 Tonnen. Für diese wurde die Euro-6 Norm erst im Herbst 2015 eingeführt. Die neuesten Euro-6 Transporter bringen jedoch hinsichtlich des Stickoxid-Ausstoßes nur sehr geringe Verbesserungen. Deshalb muss für Fahrzeuge, die nach den gültigen Normen gekauft wurden, während ihrer üblichen Nutzungsdauer Rechtsschutz gewährt werden. Die Politik muss angemessene Übergangsfristen und Fördermöglichkeiten zur Nachrüstung leichter Lkw schaffen und den Betrieben eine realistische Chance geben, ihre Fuhrparks zu modernisieren. Ein abruptes Dieselverbot ohne wirkliche Lösungsalternativen muss unbedingt vermieden werden. Der Autor ist Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Erschienen am 15. Juni 2017 in der Recklinghäuser Zeitung und in der Nordwest-Zeitung