31.03.2017

Made in Germany 4.0 - Gastbeitrag von ZDH-Generalsekretär Schwannecke

Seltsam, dass so viele Menschen glauben, das Handwerk partizipiere nicht an der digitalen Verwandlung der Welt. Waren es doch Handwerksberufe wie der Fotograf oder der Drucker, die als erste voll digital arbeiteten.

Und schon lange vor der Erfindung des Smartphones revolutionierten digitale Helfer Logistik und Lagerhaltung im Traditionshandwerk. Jetzt drängen digitale Werkzeuge und Bürolösungen in die Betriebe. Handwerk erfindet sich seit Jahrhunderten immer wieder neu – von Nostalgie keine Spur.
Innovative deutsche Handwerker arbeiten mit am Erfolg von „Made in Germany“. Das Geheimnis ihres Könnens, die duale Ausbildung, steht allen offen. Viele nutzen dieses Angebot. Man denke nur an die vielen Spätaussiedler aus Russland und die Flüchtlinge des Balkankrieges in den 90ern, die Kinder und Enkel der früheren Gastarbeiter. Aber auch an Japaner und Koreaner, in deren Heimat deutsches Handwerk einen herausragenden Ruf hat. Und neuerdings an Flüchtlinge, die zielstrebig darauf hinarbeiten, den Ruf von „made in Germany“ künftig mitpolieren zu können.

Meisterinnen und Meister sind die Garanten für eine ausgezeichnete Ausbildung – und damit für die Qualität der Dienstleistungen und Produkte des Handwerks. Wo immer in der Welt ein Meisterbrief des Handwerks hängt, er befördert die Geschäfte des Inhabers. Eigentlich seltsam, dass die EU-Kommission ganz anders tickt. Sie will, dass das deutsche Handwerk sein funktionierendes System „dereguliert“. Jeder soll auch ohne nennenswerte Qualifikationen überall in der EU selbstständig arbeiten dürfen. Die EU vergisst: Die Berufswelt wird digital. Die Berufsbilder werden anspruchsvoller, die Anforderungen komplexer.

„Made in Germany“ als Qualitätsversprechen lässt sich nur halten, wenn das Handwerk seine „Originale“ behält – die duale Ausbildung, den Meisterbrief und funktionierende Handwerksorganisationen.

Ihr Holger Schwannecke
Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks e. V.

Der Gastbeitrag erschien in dem Magazin "Tradition und Innovation", herausgegeben vom Mediaplanet Verlag Deutschland GmbH.