14.02.2019

Kirchen und Handwerk diskutieren in Rom globale Zukunftsfragen

Foto: Adobe Stock/ Bojan Pavlukovic

Welchen Beitrag können die Kirchen und das Handwerk für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und für den sozialen Frieden leisten? Diese Frage diskutierte der Zentrale Besprechungskreis Kirche-Handwerk auf seiner Jahrestagung vom 29. bis 31. Januar 2019 in Rom. Als Rahmen der Beratungen dienten Begegnungen mit Vertretern der katholischen Kirche und aus dem italienischen Handwerksverband Confartigianato.

Die Kirche sei die älteste Institution der Welt mit globaler Präsenz, arbeite aber vor allem über die „Macht des Wortes“, stellte Dr. Michael Koch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl, fest. So zeige die Haltung von Papst Franziskus in der Flüchtlingsfrage, dass die katholische Kirche im öffentlichen Raum gehört werden wolle und die langfristige Wirkung politischer Entscheidungen im Blick habe. Gemeinsame Werte, der Einsatz für Menschenrechte und das Bekenntnis zum Multilateralismus verbinden die Bundesrepublik Deutschland und den Heiligen Stuhl. Beim Empfang in der deutschen Botschaft betonten die Teilnehmenden, dass ein Land nicht nur eigene Interessen verfolgen dürfe. „Wir haben die Überzeugung, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen, oder wir werden scheitern.“ so Karl-Sebastian Schulte, ZDH-Geschäftsführer und Vorsitzender des Besprechungskreises.

 

Der Weiterentwicklung und Verbreitung der katholischen Soziallehre hat sich das  seit 1. Januar 2017 tätige „Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ verschrieben. Wie der Präfekt des Dikasteriums, Peter Kardinal Turkson, dem Besprechungskreis erläuterte, ist die von ihm geleitete Kurienbehörde zuständig für Fragen der Migration, für Gesundheit, für Gerechtigkeit und Frieden sowie für die Opfer von Kriegen und Naturkatastrophen. Mit seinem Mitarbeiterstab setzt er sich für den Schutz der Umwelt, für Nachhaltigkeit und für die Wahrung der Menschenwürde ein. Die Vorstellung des Papstes von einer gerechten Wirtschaftsordnung hat der aus Ghana stammende Kardinal zuletzt beim Weltwirtschaftsforum in Davos deutlich gemacht. Auf dem Gebiet der Ökonomie habe die Soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung für ihn Beispielcharakter. Neben diesem inhaltlichen Ordnungsanspruch regt das Dikasterium konkrete Partnerschaften und Projekte in Ortsgemeinden an. Beide Seiten verabredeten, eine Verzahnung der Arbeit des Dikasteriums mit bestehenden entwicklungspolitischen Engagements des deutschen Handwerks zu prüfen, beispielsweise beim Aufbau von beruflichen Bildungsstrukturen in Afrika.

Beim Besuch der Päpstlichen Universität Gregoriana informierte sich der Besprechungskreis über die Arbeit der Universität allgemein und im Speziellen über das 2012 dort gegründete „Zentrum für Kinderschutz“. Im Gespräch mit dessen Leiter, dem Jesuitenpater P. Prof. Dr. Hans Zollner SJ, wurde intensiv über die gesamtgesellschaftliche Herausforderung des Kindesmissbrauchs, aber auch die besondere moralische Verantwortung der Kirche diskutiert. Der katholische Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger aus der Erzdiözese München und Freising forderte mehr Achtsamkeit gegenüber Missbrauchsopfern und eine wirksamere Prävention.

Einen spannenden Einblick in die Situation des italienischen Handwerks erhielt der Besprechungskreis von dessen Dachverband Confartigianato, der auf europäischer Ebene eng mit dem ZDH zusammenarbeitet. Wie Generalsekretär Dr. Cesare Fumagalli erläuterte, unterstützt Confartigianato die rund 700.000 assoziierten Mitgliedsunternehmen mit zahlreichen Dienstleistungen. Herausforderungen sind dabei neben der sehr kleinteiligen Betriebsstruktur vor allem das Fehlen eines flächendeckenden dualen Berufsbildungssystems in Italien. Die Bekämpfung der weiterhin hohen Jugendarbeitslosigkeit und eine digitale Transformation des Handwerks ohne Brüche sind wichtige handwerkspolitische Ziele des italienischen Schwesterverbandes.

Ein Schwerpunkt der internen Beratungen war der Umgang mit Populismus und dem  Erstarken der politischen Ränder. Dr. Carsten Rentzing, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, stellte fest, dass trotz nachlassender Kirchenbindung die Erwartungen der Bevölkerung an die Kirche groß seien. Angesichts der in diesem Jahr anstehenden Wahlen in Ostdeutschland und zum Europäischen Parlament müssten Räume für das Gespräch mit allen politischen Parteien geöffnet, dabei aber zugleich eine klare christliche Grundhaltung eingefordert werden.

Abgerundet wurde das dreitägige Treffen durch eine Besichtigung der Vatikanischen Museen, die Feier der Heiligen Messe in den Grotten unter dem Petersdom und die Teilnahme an der Päpstlichen Generalaudienz.