24.05.2017

Handwerk und Kirche: Drei Fragen an ZDH-Präsident Wollseifer 

Herr Wollseifer, im Haus des Deutschen Handwerks findet anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation ein Handwerkergottesdienst statt? Was verbindet das Handwerk und die Kirche?

Die Kirchen und das Handwerk können auf eine lange Geschichte ihrer Zusammenarbeit zurückblicken. Sie teilen gemeinsame Werte und die Überzeugung, dass stets der Mensch im Mittelpunkt steht. Es verbindet die Kirchen und das Handwerk, gesellschaftlich Verantwortung zu tragen, eng mit der jeweiligen Region verbunden und auf Familien als Kern der Gesellschaft bezogen zu sein. Die meisten Handwerksbetriebe sind Familienunternehmen: Sie wollen etwas Nachhaltiges, Dauerhaftes schaffen, das auch künftigen Generationen dient.

 

Gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten?

Handwerk und Kirchen eint ihr Selbstverständnis, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und zu tragen und wertegebunden zu handeln. Bereits seit 51 Jahren gibt es den Zentralen Besprechungskreis Kirchen und Handwerk, in dem wir über unterschiedliche Themen diskutieren. Dabei spielt immer eine Rolle, wie Beruf und Glaube, Ethik und handwerkliches Tun, Fürsorge für den Menschen und wirtschaftlich erfolgreiche Betriebsführung miteinander in Einklang gebracht werden können. Die Themen des Besprechungskreises spiegelten stets die gerade gesellschaftspolitisch wichtigen Entwicklungen wider. Zu Beginn der jungen Bundesrepublik standen vor allem Grundsatzfragen der neu etablierten Arbeits- und Sozialordnung im Mittelpunkt. Später kamen wirtschaftspolitische und ökologische Fragen und die Auseinandersetzung mit der  Wiedervereinigung und dem stetig zusammenwachsenden Europa hinzu. Inzwischen berät der Besprechungskreis auch darüber, wie ein klarer Ordnungsrahmen für die globalisierte und sich digitalisierende Wirtschaft aussehen sollte, wie der demografische Wandel bewältigt werden und die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung durch Bildung gefördert werden kann.

 

In welchen Bereichen sehen Sie konkrete Möglichkeiten für eine enge Zusammenarbeit?

Im Bildungsbereich, bei der Flüchtlings- und Entwicklungshilfe gibt es sicher die meisten Anknüpfungspunkte für gemeinsames Handeln. Handwerk und kirchliche Schulen könnten ihre Zusammenarbeit noch verstärken und gemeinsam Bildungsprozesse gestalten. Gut vorstellbar sind auch gemeinsame Aktionen zur Integration von Geflüchteten, Asylbewerbern und Einwanderern. Kirchen und Handwerk haben viele Möglichkeiten, gemeinsam eine Willkommenskultur auszugestalten. Kirchen und Handwerk können sich regelmäßig über ihre jeweiligen Projekte der Entwicklungs- und Partnerschaftsarbeit mit Ländern des Südens und Ostens austauschen, und somit einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung benachteiligter Länder leisten.