27.06.2018

Drei Fragen an ZDH-Generalsekretär Schwannecke zu MINT-Berufen im Handwerk

Foto: Boris Trenkel.

Welche Gewerke im Handwerk zählen zu den MINT-Berufen?

Nach Angaben des Bundesinstituts für die Berufsbildung und der Bundesagentur für Arbeit werden Ausbildungsberufe aus 33 Gewerken zu MINT gezählt, z. B. die Kfz-Handwerke, die Elektrohandwerke, ein Teil der Gesundheitshandwerke, Ausbauhandwerke wie Installateure und Heizungsbauer zählen nach der gewählten Abgrenzung zu MINT.

 

Welche Gewerke sind am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen?

Am stärksten sind die Ausbildungsberufe Elektroniker und Anlagemechaniker Sanitär Heizung Klima betroffen sowie einige Gesundheitsberufe, wie z. B. die Hörakustiker und Orthopädietechnik-Mechaniker. Die Ausbildungszahlen in den genannten Gewerken steigen zwar, allerdings bleiben auch dort weitervviele Lehrstellen unbesetzt. Nach wie vor ist also der Bedarf an Auszubildenden (und damit an künftigen Fachkräften) höher und kann nicht vollständig gedeckt werden. Daher nimmt in diesen Gewerken der Fachkräftemangel gegenwärtig eher zu als ab.

 

Was wäre nötig, um mehr Fachkräfte für den handwerklichen MINT-Bereich zu gewinnen?

Die Weichen müssen frühzeitig gestellt werden. Das beginnt etwa mit der frühkindlichen Bildung, setzt sich im allgemeinbildenden Schulbereich fort und ist entscheidend beim Übergang von der Schule in den Beruf. Wichtig bei der Berufsorientierung ist, dass sie geschlechterneutral passiert, und dass den Kindern und Jugendlichen frühzeitig ein Einblick in die Berufswelt ermöglicht wird, z.B. durch Praktika, Schnupperkurse, „Werkeln“, experimentieren oder praktische Tätigkeiten.

Das Handwerk setzt sich schon seit Jahren für eine frühe und ganzheitliche Berufsorientierung ein. Wenn junge Menschen an den Schulen nicht von der Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten – auch im MINT-Bereich – erfahren, können sie sich auch nicht für einen solchen Beruf entscheiden. Diese ganzheitliche Berufsorientierung muss auch an den Gymnasien stattfinden. Sie muss aufzeigen, dass es über 130 Ausbildungsberufe im Handwerk gibt und dazu noch zahlreiche Qualifizierungsmöglichkeiten, wie die Meisterqualifikation, die zur Führung eines eigenen Betriebes befähigt, oder auch integrierende Angebote wie ein duales oder triales Studium (Bachelor-Abschluss in Verbindung mit Gesellenbrief, - Meisterqualifikation). Die Fachkräfteproblematik wird sich nicht lösen, wenn junge Menschen ausschließlich in Richtung Abitur und Studium geschickt werden. Wir brauchen für die wirtschaftliche Stabilität in unserem Land Beides – Führungs- und beruflich qualifizierte Fachkräfte: Das gilt besonders auch im Handwerk.