24.11.2017

Das Handwerk stärken

Die richtigen Weichenstellungen in anstehenden Koalitionsverhandlungen vorzunehmen: Das fordert ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer in einem Namensbeitrag für die Sonderbeilage des Stader Tageblatts zur Veranstaltung „Handwerksforum 2017“.

„Das Handwerk brummt – und das soll es auch in Zukunft. Damit das klappt, müssen jetzt in den Koalitionsverhandlungen  die Weichen richtig gestellt werden. Unsere eine Million Handwerksbetriebe brauchen eine Politik, die das Handwerk stärkt und nicht weiter belastet etwa durch höhere Steuern, Sozialabgaben, neue gesetzliche Regelungen und weitere Dokumentationspflichten. Nur wenn die  kleinen und mittelständischen Betriebe des Handwerks stabil und wettbewerbsfähig bleiben, behält Deutschland insgesamt seine wirtschaftliche Stärke. Wir im Handwerk arbeiten mit Menschen für Menschen. Das bringt mit sich, dass das Handwerk besonders beschäftigungs- und lohnintensiv ist. Deshalb schlagen hohe Sozialbeiträge bei uns besonders und stärker zu Buche als etwa in der automatisierten Industrie. Bei den Sozialabgaben ist mit 40 Prozent die Schmerzgrenze längst erreicht. Mehr darf es nicht werden! Auch nicht bei den Steuern. Wir sind gegen eine Vermögenssteuer oder verschärfte Regelungen bei der Erbschaftsteuer, da sie die Investitionsfähigkeit der Betriebe schwächen und Betriebsübergaben gefährden. Aus den vollen Steuer- und Sozialkassen muss mehr in die Portemonnaies unserer Beschäftigten fließen.  Der Mittelstandsbauch bei der Einkommensteuer muss flacher werden. Der Soli-Zuschlag muss weg, und zwar nicht nur für Geringverdiener. Unsere Betriebe bleiben nur zukunftsfähig, wenn sie ausreichend Fachkräfte und Nachwuchs haben. Ein Garant dafür ist der Meisterbrief. Die Politik muss ihn und seine tragenden Strukturen stärken. Bund und Länder müssen mehr für Berufliche Bildung tun. Wir brauchen endlich einen Berufsbildungspakt, in dem eine  gleichwertige finanzielle Ausstattung der beruflichen Bildung vereinbart wird. Bürokratielasten müssen für unsere Betriebe weiter verringert werden. Die Kosten für die Energiewende müssen fair, gerecht und für alle bezahlbar verteilt werden. Und unsere Betriebe müssen flächendeckend an 5G-Datenautobahnen angebunden werden, damit sie den Anschluss nicht verlieren. Wenn die Politik der künftigen Bundesregierung das beherzigt, dann bin ich zuversichtlich, dass es im Handwerk auch weiter brummt.“