12.05.2016

Keine Fremden bleiben

Flüchtlinge müssen sozial eingebunden werden, so Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer im Gastkommentar für die Tagespost aus Würzburg.

Das Handwerk versteht sich als Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe. Die humanitäre Aufgabe, Kriegsflüchtlingen und Verfolgten Aufnahme und Schutz zu gewähren, unterstützen wir aktiv.

Bereits in der Vergangenheit hat das Handwerk Erfahrungen mit der Qualifikation und Ausbildung von Flüchtlingen gemacht. Die 90er Jahre, als Millionen aus der ehemaligen Sowjetunion kamen oder vor dem Balkankrieg flohen, sind noch in Erinnerung.

Damit Qualifizierung und Ausbildung auch in kleineren Betrieben funktionieren kann, haben sich die Handwerksorganisationen auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Junge Menschen mit Bleibeperspektive brauchen zunächst Sprach- und Integrationskurse. In einer intensiven Berufsorientierung kann dann der geeignete Beruf ausgewählt werden, die Vorbereitung auf eine Ausbildung im dualen System folgt. Danach kann die Übernahme in die Betriebe erfolgen, denn bürokratische Hürden sind weitgehend ausgeräumt und grobe Bildungsdefizite ausgeglichen.

Auf dieser Grundlage hat das Handwerk mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Bundesagentur für Arbeit Partner gefunden. Die Partner finanzieren die Vorbereitung auf die Ausbildung, das Handwerk mit seinen über 500 Bildungsstätten übernimmt diese Aufgabe und vermittelt die Absolventen in Ausbildungsstellen. Niemand weiß schließlich besser als die handwerklichen Bildungsstätten, welches Rüstzeug die jungen Menschen für den Start in die betriebliche Ausbildung brauchen. 10.000 junge Flüchtlinge sollen so innerhalb von zwei Jahren in Ausbildung kommen. Die ersten Kurse haben im April begonnen.

Neben diesem nationalen Projekt existieren regionale Partnerschaften, die jungen Flüchtlingen Qualifizierung und Ausbildung vermitteln. Dem Handwerk tut das gut, denn in den vergangenen Jahren blieben jeweils bis zu 20.000 Lehrstellen unbesetzt.

Eins ist uns besonders wichtig: Es darf keine Sonderregeln für Flüchtlinge geben. Mit Schmalspur-Ausbildung oder Ausnahmen bei der Bezahlung stempeln wir sie zu Mitbürgern zweiter Klasse ab. Ich bin sicher: Angesichts der hohen Motivation, die die jungen Leute aus Afrika, Asien oder dem nahen Osten mitbringen, werden sie den Anschluss schaffen.

Wer sozial eingebunden ist durch Arbeit, Ausbildung und Nachbarschaft, dessen Chancen auf eine gelungene Integration stehen gut. Flüchtlinge dürfen keine Fremden bleiben.