29.01.2016

Karriere mit dualer Ausbildung

Das Handwerk ist eine Säule für Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland. Der Garant für die hohe Qualifikation der Handwerksbetriebe ist das Prinzip der dualen Ausbildung. Wie es funktioniert und welche Karrierechancen es bietet, das erklärt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer in einer Veröffentlichung des türkischen Projektpartners TESK.

 

 

Das Handwerk ist eine Säule für Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland. Auch die Nachbarn in Europa entdecken unser gewachsenes deutsches System, das auf Qualifizierung und Qualität beruht.

 

Im Mittelpunkt steht das Prinzip der dualen Ausbildung. Es ist der Garant für die hohe Qualifikation der Handwerksbetriebe in Deutschland. Die berufliche Bildung sichert Karrierechancen. Mit der Prüfung zu Gesellin und Geselle werden aus Auszubildenden gefragte Fachleute. Die Fortbildung zu Meisterin und Meister im Handwerk bringt das Rüstzeug zum Unternehmer oder Manager in unseren leistungsfähigen Betrieben.

 

Das System ist durchlässig – aus jedem Auszubildenden kann ein erfolgreicher Unternehmer werden. Das System fördert die Integration – in keinem Wirtschaftsbereich in Deutschland werden mehr Ausländer und Migranten ausgebildet als im Handwerk. Das System sichert Beschäftigung – Deutschland hat die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit europaweit.

 

Dennoch fehlen in vielen Berufen Fachkräfte und Nachwuchs – eine Folge der demografischen Entwicklung in Deutschland. Das Handwerk wirbt daher um die schrumpfende Zahl der Schulabgänger – mit Erfolg.

 

Schwächeren Schülern wird mit Hilfe von Assistenzprogrammen der Weg in Ausbildung geebnet. Hier hat die Allianz von Arbeitsagentur, Politik und Wirtschaft den Weg zu zahlreichen wirksamen Maßnahmen geebnet. Davon profitieren gerade die kleinen Betriebe des Handwerks. Das Handwerk wirbt auch gezielt um junge Migranten, etwa mit türkischen Wurzeln. Mit Maßnahmen wie Ausbildungsmessen, Schulpartnerschaften oder gemeinsamen Aktionen mit Moscheegemeinden werden diese Jugendlichen und ihre Familien über die Chancen der beruflichen Bildung in Deutschland aufgeklärt. Der Bedarf ist groß! Denn viele Zuwanderer verstehen nicht, dass in Deutschland die Ausbildung im Handwerk große Chancen bietet. Ohne Ausbildung gehören junge Menschen perspektivisch dagegen zu den ersten Verlierern am Arbeitsmarkt.

 

Berufliche Bildung und akademische Bildung stehen im Deutschen Qualifikationsrahmen auf einer Stufe. Das setzt sich auch in der Praxis – wenn auch langsam – durch. Die Zahl der Abiturienten und ehemaligen Studenten unter den Auszubildenden im Handwerk steigt dank gezielter Maßnahmen. Der Erfolg von Projekten wie Berufsorientierung an Gymnasien ist so groß, dass das Handwerk jetzt eine Übernahme für alle Gymnasien fordert. Abiturienten alleine über Wege in ein Studium zu beraten ist falsch – viele dieser jungen Leute sind praktisch begabt. Mit ihrer Leistungsorientierung erwartet sie eine Karriere im Handwerk. Das gilt auch für junge Leute, die an den Hochschulen und Universitäten mit den Anforderungen nicht zurechtkommen. In den Hochschulstandorten wird die Beratung von Studenten, die ihr Studium abbrechen wollen, von den Handwerkskammern ausgebaut. Viele wollen weg von der akademischen Bildung und in eine Ausbildung im Handwerk wechseln.

 

Ein weiterer Baustein für die Aufwertung der beruflichen Bildung in Deutschland soll das Berufsabitur werden. In Österreich und in der Schweiz funktioniert es bereits. Macher-Typen haben dann ihren Berufsabschluss in der Tasche und erwerben gleichzeitig das Abitur, das alle Türen auch in Richtung Universität offen hält.

 

Die Sozialpartner, Fachverbände des Handwerks und die Gewerkschaften, passen aktuell auch gemeinsam mit dem Bundesminister für Wirtschaft die Ausbildungsordnungen und die Meisterprüfungsverordnungen den Anforderungen des Marktes an. Insbesondere digital arbeitende Werkzeuge und Maschinen brauchen entsprechend geschultes Personal. Beispiel: Ganze Berufszweige im Handwerk sind von analog zu digitaler Verarbeitung gewechselt – etwa die Fotografen und die Drucker. Die Ausbildung hat sich entsprechend gewandelt, für ältere Mitarbeiter gibt es entsprechende Qualifizierungen im Angebot der Handwerksorganisationen.

 

Diese Projekte sind alle geeignet, in der Gesellschaft den Stellenwert der beruflichen Bildung zu erhöhen und damit die Werbung um Nachwuchs zu stärken. Nur gut qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben sichern das weitere wirtschaftliche Wachstum.

 

Wir brauchen in Deutschland für die Zukunft des Handwerks mehr Macher, mehr Unternehmer. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder einer Nachfolgerin treibt immer mehr Betriebsinhaber um. Bis 2020 stehen 180.000 Handwerksbetriebe zur Übergabe an, so eine aktuelle Umfrage des ZDH. Junge Menschen, die eine Firma gründen oder übernehmen möchten, müssen vom Staat daher besser unterstützt werden.

 

Meiner Meinung nach darf es nicht sein, dass künftige Manager kostenlos Betriebswirtschaft bis zum Masterabschluss studieren können, Meisterschüler im Handwerk bei ihrer Ausbildung zum Unternehmer im Vergleich aber deutlich geringer finanziell unterstützt werden. Unternehmergeist darf doch nicht bestraft werden!

 

Gesellschaftliches Engagement, die Übernahme von Verantwortung gehört zur Unternehmenskultur in Handwerksbetrieben. Daher bieten wir auch talentierten jungen Flüchtlingen eine Chance, sich durch Qualifizierung und Ausbildung für eine Beschäftigung in Deutschland fit zu machen. Facharbeiter sind begehrt – egal wo sie herkommen.