28.11.2016

Duale Ausbildung wichtiger Baustein für den Erfolg

Ruf der beruflichen Bildung muss aufpoliert werden, fordert ZDH-Präsident Wollseifer in einem Beitrag für das Stader Tageblatt.

Von Hans Peter Wollseifer, Präsident Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

Oft frage ich mich, warum die duale Ausbildung in den vergangenen beiden Jahrzehnten so schlecht geredet wurde. Warum stets vor allem der Weg zu Abitur und Studium gefördert wurde. Deutschland hat eine lange und erfolgreiche Tradition der handwerklichen Ausbildung bis hin zur Spitzenqualifikation, dem Meisterbrief. Da muss man doch drauf bauen!

Doch 2015 hatten 58 Prozent der Schulabgänger 2015 Abitur und wollten studieren. Vor zwei Jahrzehnten lag die duale Ausbildung noch so weit vorne. Diese Umkehr ist eine Folge des großen Werbefeldzugs der Politik für Abitur und Studium. Hauptschulen verkümmern zu Restschulen – dabei brachten sie in den 80er Jahren noch ehrgeizige und talentierte junge Menschen hervor, die in großer Zahl den Meisterbrief erwarben und beruflichen Erfolg hatten.

Das Handwerk legt seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte hin, profitiert vor allem vom Aufschwung am Binnenmarkt. Betriebe brauchen dringend engagierten Nachwuchs. Sie kämpfen gemeinsam mit den Handwerksorganisationen, um der beruflichen Bildung wieder die notwendige Attraktivität zu geben. Dazu gehört ein Programm für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Rahmen einer höheren Berufsbildung.

Wichtig ist aber auch, dass die Politik für berufliche Exzellenz vergleichbar viel Geld aufbringt wie bereits für akademische Exzellenz. Wir brauchen gerade in Deutschland ausgezeichnete Ausbildung in beiden Bereichen.

Finanziell ist das Handwerk in jedem Fall eine Alternative. Bachelorabsolventen und Handwerksmeister verdienen in ihrem Berufsleben annähernd den gleichen Betrag. Für leistungsstarke Abiturienten oder Studienaussteiger ist die berufliche Bildung mit Karriereziel also lohnend.

Berufliche Bildung und akademische Bildung müssen in unserer Gesellschaft wieder den gleichen Stellenwert bekommen. Der Einsatz lohnt sich für alle Seiten. Nur wenn Akademiker und Handwerker weiter Hand in Hand arbeiten, mache ich mir um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland und um das Wohlergehen der nächsten Generation keine Sorgen.