26.04.2019

30 Prozent weniger Bäckereien und Fleischereien in 10 Jahren

Foto: AdobeStock/Tyler Olson

Handwerk fordert mehr Wertschätzung für berufliche Bildung und weniger Bürokratie

Breites Interesse in den bundesweiten Medien haben in diesen Tagen die bereits seit langem bekannten Betriebsrückgänge erfahren – vor allem bei Bäckereien und Fleischereien. In der Tat ist die Zahl der Betriebe in diesen beiden Gewerken innerhalb von zehn Jahren um etwa 30 Prozent gesunken.  

Ein zentrales Thema des Handwerks fand damit öffentliche Aufmerksamkeit und verschaffte politischen Forderungen Gehör: Zum Fachkräftebedarf und zu den wachsenden Belastungen für Betriebe und Unternehmer – vor allem durch überbordende Bürokratie.  

Die Fachkräftesicherung hat sich zu einem massiven Problem ausgewachsen, das das Wachstum im gesamten Handwerk erheblich bremst. Gewerkübergreifend fehlen an allen Enden Auszubildende, Gesellen und Meister. Mangelnde Wertschätzung für die berufliche Bildung ist eine der Ursachen.  

Seit rund 20 Jahren preist die Politik Abitur und Studium und überbewertet den akademischen Weg gegenüber beruflicher Ausbildung. Die gesellschaftliche Wertschätzung für eine Tätigkeit im Handwerk hat darunter gelitten. In der Folge entscheidet sich die Mehrheit der jungen Schulabgänger heute für ein Studium, selbst dann, wenn ihren Talenten und Neigungen eine Ausbildung im Handwerk eher entspräche. Der ZDH fordert daher eine verpflichtende Berufsorientierung. Außerdem muss der Werkunterricht zum festen Bestandteil des Stunden- und Lehrplans werden, insbesondere auch an Gymnasien. Damit bekommen Jugendliche ein Gespür für handwerkliches Arbeiten.  

Die Politik muss akademische und berufliche Bildung vor allem auch finanziell wieder als gleichwertige Wege ins Berufsleben behandeln. Ein Studium ist in der Regel kostenlos. Hier werden entsprechend Steuermittel bereitgestellt. Angehende Fachwirte, Meister oder Betriebswirte hingegen müssen einen Teil der Kosten selbst aufbringen. Das muss sich dringend ändern.  

Wenn Azubis und ausgebildete Fachkräfte fehlen, wirkt sich dies langfristig auch auf die Zahl der Betriebe aus. In den nächsten Jahren stehen rund 200.000 Betriebsübernahmen an. Doch viele junge Handwerker schrecken davor zurück, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen, angesichts der Belastungen, denen Selbstständige und Unternehmer gegenüber stehen. Dazu gehören nicht zuletzt zahllose bürokratische Vorgaben: Komplizierte Formulare, ausführliche Dokumentationspflichten und regelmäßig neue Vorschriften.  

Der Bürokratieabbau, den die Regierung versprochen hat, muss endlich kommen, damit Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Außerdem müssen endlich strukturelle Reformen und Entlastungen im steuerlichen Bereich in Angriff genommen werden, statt sozialpolitische Geschenke zu verteilen.