18.10.2017

JA zum Meister! Und ihn stärken, wo immer es möglich ist.

Der Meisterbrief ist Garant für hohe Qualität, eine gute Ausbildungsleistung, für die Vorsorge bei gefahrengeneigten Tätigkeiten, für den Verbraucherschutz und für ein nachhaltiges Unternehmertum. Deshalb wird das Handwerk die Politik unterstützen, den Meister dort zu stärken, wo es möglich ist, schreibt ZDH-Präsident Wollseifer in seiner Kolumne „Berlin intern“ für das Deutsche Handwerksblatt.

Meister wissen, was sie tun und wie sie es tun. Der Meisterbrief ist weder aus der Zeit gefallen noch überholt, sondern hat sich bewährt – als Gütesiegel und als Ausweis für Können und Wissen im deutschen Handwerk. Er ist einzigartig und macht das Handwerk so stark.

Der Meisterbrief bürgt für hohe Qualität bei handwerklichen Produkten und Dienstleistungen. Der Meisterbrief sorgt dafür, dass exzellente berufliche Bildung auch in Zukunft im Handwerk an die nächste Generation weitergegeben werden kann, er steht für fundierte und umfassende Ausbildung: ohne Meister keine Lehrlinge. Der Meisterbrief legt die Grundlage für Betriebsgründungen, die nicht schon nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden, sondern die nachhaltig sind: Das stabilisiert die Wirtschaft als Ganzes und die Gesellschaft. Und der Meisterbrief dient der Vorsorge in gefahrengeneigten Tätigkeiten und damit dem Schutz der Verbraucher.

Meisterhaftes Handwerk – das brauchen wir auch in Zukunft. Deshalb begrüßt das Handwerk Bemühungen, die die Meisterqualifikation stärken wollen. Teile des politischen Spektrums fordern, die Meisterpflicht wieder auf Berufe auszuweiten, die 2004 mit der HwO-Reform dereguliert worden sind. 

Für mich und den ZDH ist klar: Wir unterstützen das. Aber klar ist auch: Wir wollen keine Reform der Reform, die das Handwerk und seine Berufe gegeneinander ausspielt, und an deren Ende es dann möglicherweise in weniger Berufen als zuvor eine Meisterpflicht gibt. Wir dürfen nicht zulassen, dass es zu Veränderungen kommt, die letztlich zulasten des Handwerks und seiner bewährten Ausbildungsstrukturen gehen. Wir müssen darauf achten, dass mit unseren Vorstößen nicht Reformschritte befördert werden, die die bewährten Strukturen im Handwerk insgesamt aushebeln, und wo am Ende wir alle im Handwerk das Nachsehen haben.

Wir wollen den Meister stärken. Und wir unterstützen deshalb mit aller Kraft jede sachdienliche Initiative in diese Richtung. Aber so einfach der Ruf nach Wiedereinführung der Zulassungspflicht auf den ersten Blick erscheinen mag, ist es nicht: Aus gutem Grund haben auch die politischen Initiatoren und Befürworter ins Kleingedruckte geschrieben, dass die Lösung am Ende verfassungskonform und EU-fest sein muss. Das gilt es genau zu prüfen und handfeste Argumente zusammenzutragen. Deswegen haben wir im ZDH eine hochkarätig besetzte Planungsgruppe eingerichtet, die diesen Prozess in der kommenden Legislaturperiode politisch begleiten soll.

Es ist gut, wenn inzwischen offenbar erkannt wurde, dass nicht alle Reformschritte von damals nach vorne geführt haben. Das Handwerk wird dabei behilflich sein, Fehler aufzudecken, und wird die Politik dabei unterstützen, den Meister überall dort zu stärken, wo es möglich ist. Damit wir aber am Ende Erfolg gerade bei diesem Herzensanliegen des deutschen Handwerks haben, müssen wir an dem Prinzip festhalten, das uns schon an anderen Stellen erfolgreich zum Ziel gebracht hat, und das lautet: ein Handwerk, eine Stimme!