28.04.2017

Fahrverbot für ältere Diesel?

Ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge trifft den Mittelstand, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer in einem "Contra" für das Magazin Wirtschaft und Markt, Mai 2017.

Gute Luftqualität lässt sich nicht einfach verordnen. Wer die Stickstoffbelastung in den Städten senken will, muss erstens alle Emittenten in den Blick nehmen und braucht zweitens entsprechende Fahrzeuge. Die Autoindustrie hat es zu lange versäumt, im Fahrbetrieb saubere Dieselfahrzeuge anzubieten. Und die Politik hat notwendige Kontrollen schleifen lassen.

Es versteht sich von selbst, dass über zehn Jahre alte Dieseltransporter nicht auf Dauer in belasteten Innenstädten fahren können. Doch aktuell sind sogar neuwertige Fahrzeuge von Fahrverboten bedroht. Denn: Bis 2016 konnten Handwerker in den für sie relevanten Fahrzeugklassen fast nur Euro-5-Fahrzeuge erwerben. Und selbst die aktuellen Euro-6b-Transporter bringen beim NO2-Ausstoß im Fahrbetrieb kaum Vorteile.

Neuwertige Fahrzeuge sollen also verschrottet und durch Neuwagen ersetzt werden, die für die Umwelt einen kaum messbaren Vorteil bringen? Unsere handwerklichen Unternehmer empfinden diese Forderung schlicht als Enteignung.

Das Handwerk erwartet realistische Rahmenbedingungen für die Modernisierung der Fuhrparks. Unternehmen benötigen Planungssicherheit, auch für die weitere Nutzung von Bestands- und Neufahrzeugen, solange sie auf Dieseltransporter angewiesen sind.

Die Autoindustrie muss aber schnellstens wirklich saubere Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen. Noch wichtiger: Die Entwicklung praktikabler elektromobiler Angebote für das Handwerk, um zukünftig emissionsfrei städtische Kunden erreichen zu können.