16.06.2016

Berufliche Bildung: Angebot an alle

Zur Veröffentlichung des Berichts "Bildung in Deutschland 2016" durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) erklärt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH):

"Die Segmentierung der Ausbildungsberufe nach schulischer Vorbil-dung im Bildungsbericht missachtet die gesellschaftspolitische Integ-rationskraft der beruflichen Bildung. Insbesondere das Handwerk bietet allen Schulabsolventen berufliche Perspektiven und Entwick-lungsmöglichkeiten – leistungsstarken Jugendlichen genauso wie jenen mit Förderbedarf. Das Angebot der beruflichen Bildung richtet sich gezielt an alle Schulabsolventen, da die Sicherung des Fach-kräftebedarfs für den Wirtschaftsstandort Deutschland angesichts der demografischen Entwicklung grundsätzliche Bedeutung hat.

Die abschlussorientierte duale Ausbildung im Handwerk ist gerade für leistungsschwächere Schulabgänger eine Chance. Das neue Förderinstrument "Assistierte Ausbildung" hilft dabei Jugendlichen und Betrieben. Frühzeitige Vertragslösungen können so verhindert werden. Die "Assistierte Ausbildung" wird im Rahmen der Ausbildung von Flüchtlingen weiter an Bedeutung gewinnen.

Im Bildungsbericht wird zu Recht auf den gesellschaftlichen Trend hin zu höherer Bildung hingewiesen. Mit der Initiative Höhere Berufsbildung hat das Handwerk hierauf bereits eine Antwort gegeben. Der Weg eines Berufsabiturs ist ein wesentlicher Baustein dieser Initiative. Durch den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife parallel zu einem vollqualifizierenden Berufsabschluss soll die duale Ausbildung auch für leistungsstarke Jugendliche deutlich attraktiver werden. Hier erwarten wir eine positive Entscheidung der Bundesländer.

Die Pluspunkte der beruflichen Bildung werden dank der aktuellen Debatte in der Gesellschaft immer bewusster. Handwerksmeister stehen mit ihrem Abschluss im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe wie der Hochschulabschluss Bachelor, der Be-triebswirt (HwK) ist auf der DQR-Stufe des Hochschul-Masters verortet. Das Einkommen eines Handwerksmeisters ist dem eines Hoch-schulabsolventen ebenbürtig, das Risiko der Arbeitslosigkeit fällt sogar niedriger aus."