21.01.2016

"Europa braucht den freien Grenz- und Warenverkehr", so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer in der Rheinischen Post (21. Januar).

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer: Von der Europäischen Union versprechen sich die Mitgliedsstaaten und Anwärter vor allem eine stärkere Teilhabe an der wirtschaftlichen Stärke Europas. Dazu gehört, dass die Güter jedes einzelnen Staates einfacher in jeden anderen Staat innerhalb der EU geliefert werden können. Egal, ob es sich um Dienstleistungen, Nahrungsmittel, Maschinen, Autos oder Zulieferprodukte handelt. Die Wirtschaftsgemeinschaft war der Kern der europäischen Entwicklung, sie ist es bis heute.

National motivierte Grenzschließungen würden dieses über Jahrzehnte gewachsene System sabotieren. Schon allein Personenkontrollen können zu Verzögerungen und langen Fahrzeugschlangen an Grenzübergängen führen.

Europa braucht den freien Grenz- und Warenverkehr. Die Konsequenzen von Behinderungen oder gar geschlossenen Grenzen für die europäische Wirtschaft mit ihrer ausgeklügelten Arbeitsteilung und Logistik sind nicht auszudenken. Es wäre ein Anachronismus in einer Zeit, wo durch die Digitalisierung nationale Grenzen für den Datenverkehr praktisch keine Rolle mehr spielen.

Die Politik darf bei diesem hochsensiblen Thema nicht zündeln, genausowenig wie wir alle als Teil dieser Gesellschaft. Alle Kraft und Konzentration muss den Fragen gelten, die nach einer Lösung schreien: Wie kann der behördliche Umgang mit hunderttausenden Flüchtlingen professionalisiert werden? Wie kann die Integration verbessert werden? Wie kann die Innere Sicherheit in Deutschland und Europa gewährleistet werden? Wie können die sehr unterschiedlichen Ursachen für die Flüchtlingsströme aus Asien, dem nahen Osten und Afrika bekämpft werden? Hier gilt es Entscheidungen zu fällen und dann schnell und zielgerichtet umzusetzen.