Neustarthilfe für Soloselbständige

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Eine Antragsberechtigung liegt vor, wenn Sie

  • ihre selbstständige Tätigkeit als freiberuflich Tätige oder Gewerbetreibende im Haupterwerb ausüben,
  • weniger als eine Vollzeit-Angestellte oder einen Vollzeit-Angestellten beschäftigen,
  • bei einem deutschen Finanzamt für steuerliche Zwecke erfasst sind,
  • keine Fixkosten in der Überbrückungshilfe III geltend gemacht haben oder geltend machen und
  • ihre selbständige Geschäftstätigkeit vor dem 1. Mai 2020 aufgenommen haben. Als Datum für die Aufnahme der selbständigen Tätigkeit zählt der Tag, an dem die selbständige Tätigkeit beim Finanzamt angemeldet wurde.

 

Förderzeitraum: Januar – Juni 2021

 

Berechnung des Liquiditätsvorschusses

Antragsberechtigte können 50 Prozent des im Vergleichszeitraum erwirtschafteten Referenzumsatzes, maximal jedoch 7.500 Euro, erhalten. Als Vergleichszeitraum wird das Jahr 2019 herangezogen.

 

Eine Ausnahme gibt es für die Antragsberechtigten, die ihre selbständige Tätigkeit im Zeitraum 01.01.2019 bis 30.04.2020 aufgenommen haben. Diese haben ein Wahlrecht und können entweder, den Jahresumsatz 2019, die Summe des Monatsumsatzes der beiden Vorkrisenmonate Januar und Februar 2020 oder den Umsatz des 3. Quartals 2020 heranziehen.

 

Viele Soloselbstständige, deren Auftragslage unsicher und schwankend ist, haben neben ihrer selbstständigen Tätigkeit auch eine abhängige Beschäftigung. Solange die Selbstständigkeit im Vergleichszeitraum (2019) den überwiegenden Teil (mind. 51 Prozent der Einkünfte) der Tätigkeiten ausmachte, ist eine ergänzende unselbständige Beschäftigung kein Nachteil. Bei der Berechnung der Neustarthilfe werden die Einnahmen aus der unselbständigen Arbeit zu den selbstständigen Umsätzen hinzuaddiert, wodurch sich eine entsprechend höhere Neustarthilfe ergeben kann.

 

Im Antragsverfahren müssen deshalb neben der Summe der freiberuflichen und/oder gewerblichen Umsätze (Achtung: anzugeben sind Netto-Umsätze, d.h. der Umsatz abzüglich der Umsatzsteuer) auch die Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit (Aufzählung siehe Punkt 3.6 der vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten FAQ-Liste – Link am Ende des Textes) im Vergleichszeitraum angegeben werden. Der Referenzumsatz und die daraus resultierende Vorschusszahlung werden automatisch berechnet.

 

Gleichwohl geben wir Ihnen nachfolgend ein Beispiel, wie die Höhe des Liquiditätsvorschusses berechnet wird:

 

Schritt 1:  Umsatz des Jahres 2019 (01.01.-31.12.2019)
in unserem Beispiel: 30.000 Euro

Schritt 2:   Ermittlung des durchschnittlichen monatlichen Jahresumsatzes 2019
Hier: 30.000 Euro / 12 Monate = 2.500 Euro

Schritt 3:   Ermittlung des für die Neustarthilfe zu berücksichtigenden Referenzumsatzes
Hier: 2.500 Euro x 6 (Anzahl Monate Januar-Juni 2021) = 15.000 Euro

Schritt 4:   Ermittlung der Vorschusshöhe (50 % des Referenzumsatzes)
Hier: 15.000 Euro x 0,5 = 7.500 Euro

 

Eine Vorschusshöhe von insgesamt 7.500 Euro entspricht dem maximal möglichen Vorschuss. Das bedeutet, selbst wenn der Jahresumsatz 2019 40.000 Euro beträgt und nach obiger Methode rein rechnerisch eine Neustarthilfe von 10.000 Euro ermittelt wird, ist die Neustarthilfe auf 7.500 Euro gedeckelt.

 

 

Antragstellung:

In einem ersten Schritt ist am 16.02.2021 die Antragstellung für Soloselbständige gestartet, die als natürliche Personen (freiberuflich tätige oder Gewerbetreibende) selbständig tätig sind. Antragstellungen für Soloselbständige, die als Personen- oder Kapitalgesellschaften organisiert sind, sollen in einem zweiten, späteren Schritt möglich sein.

 

Die Beantragung erfolgt direkt (ohne Einbindung sogenannter prüfender Dritter wie z.B. Steuerberater) und ausschließlich online über ein zentrales Formular, das Sie unter nachfolgendem Link finden.

 

Für den Login wird das von der Steuererklärung bekannte ELSTER-Zertifikat benötigt. Die Auszahlung der Neustarthilfe erfolgt in der Regel wenige Tage nach Antragstellung.

 

Ein Direktantrag auf Neustarthilfe kann nur einmal für den gesamten Förderzeitraum gestellt werden. Eine nachträgliche Änderung des Antrags nach dem Absenden ist nicht möglich. Nach Beantragung der Neustarthilfe kann der Antrag nicht zurückgezogen werden, um stattdessen die Überbrückungshilfe III zu beantragen.

 

Anträge können bis zum 31. August 2021 gestellt werden.

 

Für die Antragstellung notwendige Angaben

Im Antrag sind insbesondere folgende Angaben zu machen, um die Identität und Antragsberechtigung des Antragstellers bzw. der Antragstellerin sowie die Bemessungsgrundlage festzustellen:

  • Angabe, ob Antrag in eigenem Namen als natürliche Person (Freiberufler und Freiberuflerin oder Gewerbetreibender und Gewerbetreibende) oder durch eine Kapitalgesellschaft gestellt wird
  • Name, Geburtsdatum, die beim zuständigen Finanzamt hinterlegte Anschrift, ggf. Firma und Betriebsstätte
  • steuerliche Identifikationsnummer, Steuernummer und ggf. Umsatzsteuer-ID
  • zuständige Finanzämter
  • IBAN der Kontoverbindung, die beim zuständigen Finanzamt für die angegebene Steuernummer hinterlegt ist,
  • Angabe der Branche anhand der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008), in welcher die Antragstellenden schwerpunktmäßig tätig sind
  • Jahresumsatz 2019 (nur bei Aufnahme der selbständigen Tätigkeit ab dem 1. Januar 2019: Jahresumsatz 2019, Summe des Monatsumsatzes der beiden Vorkrisenmonate Januar und Februar 2020 oder Umsatz des 3. Quartals 2020)
  • Erklärung, dass eine Endabrechnung durch Selbstprüfung nach Ablauf des Förderzeitraums erfolgt, spätestens bis zum 31. Dezember 2021,
  • Erklärung der Antragstellenden, dass die selbständige Tätigkeit im Haupterwerb ausgeübt wird
  • Versicherung, dass wenn Einnahmen aus kurz befristeten Beschäftigungsverhältnissen in den Darstellenden Künsten oder aus unständigen Beschäftigungsverhältnissen aller Branchen mit selbständigen Umsätzen gleichgesetzt werden sollen, dass die Antragstellenden für Januar 2021 weder Arbeitslosen- noch Kurzarbeitergeld bezogen hat und die Antragstellenden im Falle der Geltendmachung von Einnahmen aus kurz befristeten Beschäftigungsverhältnissen dabei jeweils einen Beruf ausübt, der unter Nr. 94 („Darstellende und unterhaltende Berufe“) oder unter Nr. 8234 („Berufe in der Maskenbildnerei“) der Klassifikation der Berufe der Bundesagentur für Arbeit fällt.
  • Erklärung, dass die Überbrückungshilfe III nicht in Anspruch genommen wird.
  • Weitere Erklärungen, mit denen die/der Antragstellende z.B. dem Datenabgleich zwischen Bewilligungsstellen, Finanzämtern, Strafverfolgungsbehörden und anderen Behörden zustimmt

 

Auf Anforderung der Bewilligungsstelle haben die Antragstellenden ihre Angaben durch geeignete Unterlagen zu belegen. Die im Zusammenhang mit der Antragstellung verwendeten bzw. erstellten Unterlagen und Belege sind für eine etwaige Prüfung mindestens 10 Jahre bereitzuhalten.

 

Auszahlung und Endabrechnung

Die Neustarthilfe wird als Liquiditätsvorschuss ausgezahlt, bevor die tatsächlichen Umsätze im Förderzeitraum feststehen.

 

Ab Juli 2021 und spätestens bis zum 31.12.2021 muss der Soloselbständige eine Endabrechnung erstellen, mit der die endgültige Höhe der Neustarthilfe berechnet wird, auf die ein Anspruch besteht. Bei der Endabrechnung werden im entsprechenden Online-Tool die Summe der tatsächlich realisierten Umsätze im Zeitraum 01.01.-30.06.2021 eingegeben sowie etwaige Einnahmen aus nichtselbständigen Tätigkeiten und weitere Einnahmen – sofern vorhanden.

 

Das System prüft dann automatisch, ob der Vorschuss in voller Höhe behalten werden darf (in dem Moment wird der Vorschuss dann zum Zuschuss), oder ob der Vorschuss ganz oder teilweise zurückgezahlt werden muss.

 

Soloselbstständige, die im ersten Halbjahr 2021 nur 40 Prozent des Referenzumsatzes (Berechnungsmethode siehe Absatz „Berechnung Liquiditätsvorschuss“) des Jahres 2019 oder weniger erzielt haben, können den Vorschuss in voller Höhe behalten und müssen nichts zurückzahlen. Wichtig: Es ist nicht entscheidend, dass der Umsatzrückgang von mindestens 60 Prozent für jeden einzelnen Monat des Förderzeitraumes (Januar-Juni 2021) nachgewiesen wird. Entscheidend ist die Summe des Umsatzes des Zeitraums Januar bis Juni 2021, der im Vergleich zum Referenzumsatz über 60 Prozent zurückgegangen sein muss, um die volle Förderung zu erhalten.

 

Liegt der im ersten Halbjahr 2021 erzielte Umsatz bei 90 Prozent des sechsmonatigen Referenzumsatzes oder mehr, ist die Neustarthilfe vollständig zurückzuzahlen.

 

Liegt der im 1. Halbjahr 2021 realisierte Umsatz in einer Spanne von 40 bis 90 Prozent Referenzumsatzes, ist der Vorschuss anteilig zurückzuzahlen. Im Prinzip sollen der tatsächlich realisierte Umsatz und die Förderung zusammengenommen nicht mehr als 90 Prozent des Referenzumsatzes erreichen.

 

Zum Verständnis nachfolgend eine Übersicht, wie etwaige Rückzahlungen ermittelt werden können:

 

Angenommen:

  • Als Referenzumsatz wurde ein Wert von 15.000 Euro ermittelt, der Vorschuss betrug für den Zeitraum Januar-Juni 2021 damit 7.500 Euro.
  • Das 1. Halbjahr 2021 entwickelte sich besser als erwartet und der/die Soloselbständige erwirtschaftete insgesamt einen Nettoumsatz von 9.000 Euro

 

Rechenweg:

Die 9.000 Euro Nettoumsatz entsprechen 60 Prozent des Referenzumsatzes (9.000 Euro x 100 / 15.000 = 60 Prozent). Damit ergäbe sich eine Förderung von 110 Prozent des zugrunde liegenden Referenzumsatzes.

Genehmigt werden soll jedoch maximal ein Zuschussbetrag, mit dem in der Summe von erzieltem Umsatz und Förderung 90 Prozent des Referenzumsatzes nicht überschritten werden (in unserem Beispiel liegt die 90-Prozent-Grenze damit bei 13.500 Euro.

Deshalb müssten also 20 Prozent des Referenzumsatzes bzw. 3.000 Euro des erhaltenen Zuschusses zurückgezahlt werden.

 

Weitere Beispiele:

(bei Referenzumsatz 15.000 Euro – siehe Berechnung Liquiditätsvorschuss):

Förderung

Umsatz im Zeitraum (01-06/2021)

Rückzahlung in % des Referenzumsatzes

50 % Referenzumsatz

= 7.500 Euro

80 % Referenzumsatz

40 % (50 % + 80 % = 130 %)

50 % Referenzumsatz

= 7.500 Euro

60 % Referenzumsatz

20 % (50 % + 60 % = 110 %)

50 % Referenzumsatz

= 7.500 Euro

50 % Referenzumsatz

10 % (50 % + 50 % = 100 %)

50 % Referenzumsatz

= 7.500 Euro

40 % Referenzumsatz

0 (50 % + 40 % = 90 %)

 

Sofern eine Rückzahlung notwendig wird, ist diese bis 30.06.2022 zu leisten.

 

Für weitere Informationen verweisen wir auf die FAQs des Bundeswirtschaftsministeriums, die unter nachfolgendem Link verfügbar sind.

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