11.12.2017

Editorial - Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer ist in vielfacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Zum einen, da sie mit einem jährlichen Aufkommen von über 1 Milliarde Euro die aufkommensstärkste Steuer und damit eine zentrale Einnahmequelle des Staates ist; auf der anderen Seite, weil die Betriebe aufgrund der hohen Komplexität der auf europäischen Vorgaben basierenden Regelungen häufig erheblichen Aufwand betreiben müssen, diese korrekt umzusetzen.

Schon lange hat die Umsatzsteuer, die einst als Buchhaltersteuer verspottet wurde, gerade im Handwerk eine zentrale Rolle in jeder Betriebsprüfung eingenommen. Nicht selten müssen dabei erhebliche Nachzahlungen geleistet werden, da Vorschriften nicht korrekt angewandt wurden.

Wenn schon bei innerdeutschen Geschäften die Betriebe mit der Erfüllung der umsatzsteuerlichen Vorgaben häufig an die Grenzen stoßen, steigert sich diese Komplexität bei Geschäften über die Grenzen, sei es in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder gar in Drittstaaten nochmals immens.

In den letzten Jahren wurde regelmäßig beklagt, dass den Staaten, so auch Deutschland, erhebliche Einnahmen verlorengehen, weil die Umsatzsteuer in ihrer jetzigen Ausgestaltung neben der erwähnten Komplexität auch hoch betrugsanfällig ist. Nicht zuletzt aufgrund der europäischen Vorgaben, die bisher nur als eine Übergangslösung gedacht waren, wird nun auf europäischer Ebene überlegt, ein neues System - auf dem Bestimmungsland-Prinzip basierend - einzuführen. Danach sollen grenzüberschreitende Leistungen im EU-Binnenmarkt wie Inlandsumsätze im Bestimmungsland besteuert werden. Die Kommission plant hierfür die Einführung eines sogenannten One-Stop-Shops, so dass Unternehmer die Möglichkeit erhalten sollen, bei einer einzigen Anlaufstelle im Internet ihre grenzüberschreitenden Umsätze anzumelden.

Allerdings erkennt auch die EU-Kommission, dass es zu einer vollständigen und endgültigen Umstellung des Systems noch ein langer Weg ist. Daher schlägt die Kommission vor, zum 1. Januar 2019 das bisherige System durch Übergangsregelungen zu ergänzen. Hierzu zählen u. a. die von der deutschen Wirtschaft schon seit langem geforderte Harmonisierung der Beurteilung von Reihengeschäften und Erleichterungen bei den grenzüberschreitenden Lieferungen (Reverse Charge Regelung). Um in den Genuss letzterer zu kommen, sehen die Vorschläge allerdings vor, dass sich Unternehmer zertifizieren müssen. Diese Voraussetzungen sind bisher ungeklärt und könnten dazu führen, dass Steuerpflichtige erster und zweiter Klasse entstehen.

Dies ist aus Sicht des deutschen Handwerks nicht hinzunehmen und wir werden uns in den weiteren Beratungen dafür einsetzen, dass die Betriebe des Handwerks nicht durch überzogene Forderungen von den Erleichterungen ausgeschlossen werden.

Einmal mehr zeigt sich, dass die Vermeidung von Bürokratie, die Betrugsunanfälligkeit und Einfachheit des deutschen Steuerrechts zwar weithin gefordert werden, die Umsetzung jedoch erhebliche Anstrengungen und Kompromissfähigkeit aller Beteiligten erfordert.

Seien Sie versichert, dass der ZDH sich auch im kommenden Jahr für die Interessen des deutschen Handwerks in gewohnter Weise einsetzen wird.

Das ZDH-Steuerteam wünscht Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Vorweihnachtszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2018.

Ihr ZDH-Steuerteam 12/2017