09.07.2018

Buchung von EC-Karten-Umsätzen in der Kassenführung

Hintergrund:

Seit Jahren ist es gelebte Praxis, zunächst unbare und bare Einnahmen gemeinsam in einer Summe und dann die unbaren Einnahmen wieder als Ausgaben im Kassenbuch zu erfassen. Anschließend wird der Kassenbestand ermittelt und durch Kassensturz festgestellt. Dieses Verfahren wurde bisher auch nicht erkennbar von der Finanzverwaltung beanstandet. In der Betriebsprüfungspraxis häufen sich je-doch in letzter Zeit Fälle, in denen dieses Vorgehen als formeller Mangel bewertet und zum Anlass von Hinzuschätzungen genommen wird.

Viele bargeldintensive Unternehmen sehen sich aktuell aufgrund eines Schreibens des BMF vom 16. August 2017 gegenüber dem Deutschen Steuerberaterverbandes e.V. einer großen Verunsicherung sowie einer gravierenden Herausforderung bei der Erfassung von bargeldlosen Girocard- bzw. Kreditkartenumsätzen ausgesetzt. In diesem Schreiben hatte das BMF dargelegt, dass dieses sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft die Erfassung von EC-Karten-Umsätzen im Kassenbuch als einen formellen Mangel einordnet. Daraufhin hatten sich die betroffenen Spitzenverbände an die obersten Finanzbehörden der Länder gewandt und für eine praxistaugliche Lösung der Problematik geworben.

In dem o.g. Schreiben führt das BMF u.a. wie folgt aus: "Wie bereits in dem o. a. Schreiben vom 16. August 2017 ausgeführt, ist die steuerrechtliche Würdigung des Sachverhaltes in der Folge vom Einzelfall abhängig. Werden die ursprünglich im Kassenbuch erfassten EC-Karten-Umsätze z. B. wie von Ihnen vorgetragen in einem weiteren Schritt gesondert kenntlich gemacht oder sogar wieder aus dem Kassenbuch auf ein gesondertes Konto aus- bzw. umgetragen, so ist - obwohl die zunächst fälschlich in das Kassenbuch aufgenommenen EC-Karten-Umsätze weiterhin einen formellen Mangel darstellen - weiterhin die Kassensturzfähigkeit der Kasse gegeben.

Die (zumindest zeitweise) Erfassung von EC-Karten-Umsätzen im Kassenbuch ist ein formeller Mangel, der bei der Gewichtung weiterer formeller Mängel im Hinblick auf eine eventuelle Verwerfung der Buchführung nach § 158 AO regelmäßig außer Betracht bleibt. Voraussetzung ist, dass der Zahlungsweg ausreichend dokumentiert wird und die Nachprüfbarkeit des tatsächlichen Kassenbestandes jederzeit besteht."

Hinweis:

Durch die Dokumentation des Vorgehens der Buchung von EC-Kartenumsätzen in einer Verfahrensdokumentation wird das Vorgehen für die Finanzverwaltung nachvollziehbar. Das Verfahren muss konsequent eingehalten werden. Ferner muss täglich ein Kassensturz durchgeführt werden und als Nachweis sollte ein Kassenzählprotokoll erstellt und aufbewahrt werden. Hierdurch ergibt sich jederzeit eine Nachprüfbarkeit des tatsächlichen Kassenbestandes.

 

Daniela Jope